Hugh Sullivan neuer Deutschlandchef
Andreas Dombrets doppelte Niederlage

Eigentlich ist Andreas Dombret ein Erfolgsmensch. Für den 49-jährigen mit der deutschen und der amerikanischen Staatsbürgerschaft gab es lange Jahre nur einen Weg: nach oben. Doch zuletzt hat den Chef der Bank of America in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Glück verlassen. Nach der Notfusion der US-Investmentbank Merrill Lynch mit der Bank of America sind die Würfel jetzt gefallen – gegen ihn.

FRANKFURT. Statt Dombret führt der Amerikaner Hugh Sullivan, frisch gebackener Chef des Investment-Banking des gemeinschaftlichen Instituts beider Banken in Deutschland nun das gesamte Deutschlandgeschäft. Das erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Andreas Dombret, der zuvor als heißer Kandidat für diesen Posten gehandelt worden war, zog den Kürzeren. Die Bank und Dombret wollten sich zur jüngsten Entwicklung nicht äußern.

Zwar war Dombret erfolgreich in Deutschland unterwegs und baute die Bank of America auf, doch das reichte nicht. Es war zu wenig, um die Oberen in London zu überzeugen. Dort kam der Vice Chairman Europa offenbar nicht so gut an wie Sullivan. Während er ein klares, geschliffenes Hochdeutsch spricht und deshalb leicht etwas Distanz zwischen sich und seine Gesprächspartner legt, lassen sich bei Sullivan die Wurzeln angesichts des breit gezogenen amerikanischen Slangs nicht verleugnen. Der 50-jährige zählt nicht zu den typischen Investmentbankern. Er führte zeitweise sein eigenes Unternehmen. Nach Deutschland umgezogen ist er bisher noch nicht.

Anders Dombret, der tiefverwurzelt in Deutschland ist, hatte sich auch für den Chefposten der staatlichen KfW Bankengruppe im Mai 2008 beworben. Die damit verbundenen Gehaltseinbußen schreckten ihn nicht ab. Am Ende zog er auch hier den Kürzeren und musste dem Förderbanker Ulrich Schröder den Vortritt lassen. Da halfen dem CDU-Mitglied Dombret die guten Beziehungen zum hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nichts. Und auch die Unterstützung von Finanzminister Peer Steinbrück brachte wenig. Chefin und Kanzlerin Angela Merkel entschied – gegen Dombret.

Der klassische Banker alter Schule, der stets in tadelloser Kleidung auftritt, sich für klassische Musik begeistert und moderne Kunst in den höchsten Tönen lobt, ist gut vernetzt. So zog er etwa Daimler als Kunden für seine Bank an Land. Der Sohn eines Bankdirektors startete seine Karriere bei der Deutschen Bank, bevor er in Zeiten der Privatisierungswelle der Treuhand nach der Wiedervereinigung zu US-Bank JP Morgan stieß und später das Geschäft beim Bankhaus Rothschild in Deutschland mitleitete. Über seinen weiteren Weg rätseln Beobachter. Am kommenden Montag diskutiert Dombret mit Steinbrück bei den Dialogen der Zeitschrift Berliner Republik über die Zukunft des Finanzsystems. – Vielleicht auch über seine.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%