Hunch
Virtuelle Empfehlung

Die Flickr-Gründerin Caterina Fake meldet sich zurück: Mit ihrem neuen Start-up Hunch will sie Menschen helfen, Entscheidungen zu treffen. Kann sie damit an alte Erfolge anknüpfen?

DÜSSELDORF. Sollte ich nun den Artikel über Caterina Fake beginnen? Oder doch erst noch einen Kaffee holen? Fragen wir doch einfach mal Hunch. Zehn Fragten später weiß ich: "Es ist o.k., hol dir noch eine Tasse."

Geht es nach Hunch-Mitgründerin Caterina Fake werden viele Menschen genau so künftig ihre Entscheidungen treffen: Sie stellen Fragen und bekommen eine Empfehlung basierend auf psychologischen Schemata und den Resultaten von Nutzern mit ähnlichem Profil. Das reicht von der Entscheidung über das nächste Handy bis zur Frage, welches klassische Buch als Lektüre für einen persönlich empfehlenswert ist. Seit Anfang der Woche ist der Dienst für jedermann offen, derzeit allerdings nur auf Englisch. Klingt merkwürdig? Funktioniert aber erstaunlich gut. "Packend" urteilt der Web-Branchendienst Techcrunch. "Wir mögen es", ergänzt Venture Beat. Und immerhin steht hinter Hunch mit Caterina Fake eine bekannte Branchengröße: Zusammen mit ihrem damaligen Freund und späteren Ehemann Stewart Butterfield startete sie 2000 das Online-Spieleunternehmen Ludicorp - ein mittelmäßiger Erfolg.

Zu diesem Zeitpunkt hat die Halb-Philippinerin aus Pittsburgh schon ein buntes Leben hinter sich: Nach dem Studium an der Vassar-Universität arbeitet sie für eine Investment-Bank, als Assistentin eines Malers, besorgt Schnittbilder für die TV-Serie "Seinfeld" und steht in einem Taucher-Fachgeschäft in Arkansas hinter der Theke. 1994 zieht sie nach San Francisco und wird später Kunst-Redakteurin des Online-Magazins Salon.com. Dann trifft sie Butterfield. Sein Anmachspruch: "Wir sollten zusammen ein Unternehmen starten." Fake gefällt das: "Stewart hat ziemlich schnell gemerkt, dass man mich nicht mit einem Porsche beeindrucken kann - aber mit der Idee, eine Firma zu gründen, schon."

Daraus wird Ludicorp. Doch das will einfach nicht durchstarten. Es ist eine Ahnung - Englisch "hunch" -, die alles verändert. Als Butterfield krank im Bett liegt, grübelt Fake über die Probleme der Firma. Ihr fällt auf, dass die aktiven Spieler viel Wert auf ihre Fotos legen - und es entsteht ein Gedankenblitz namens Flickr.

Die Bilddatenbank ist heute das wichtigste Angebot seiner Art mit 44 Mio. Besuchern monatlich. Doch Flickr ist mehr als eine Datenbank: Unter den Bildern laufen Diskussionen zu politischen wie technischen Themen. In diesen Tagen ist die Seite eine wichtige Anlaufstation für die iranische Opposition: Zahlreiche Bilder von den Demonstrationen finden sich nur bei Flickr.

2005 schlägt Yahoo zu: Für 35 Mio. Dollar übernimmt der Web-Konzern die Firma. Fake ist eine der Vorzeigefiguren des Webs geworden: dynamisch, sympathisch, immer fröhlich - ein Liebling der Medien.

Doch bei Yahoo werden sie und Butterfield nicht glücklich. "Sie passten nicht so recht hierher", sagt ein Yahoo-Mitarbeiter: Der Web-Konzern ist weit entfernt von der Mentalität eines Start-ups. Die beiden steigen 2007 aus, auch sollen sie angeblich kein Paar mehr sein.

Im März dieses Jahres erst verkündet Fake, zusammen mit elf frischen Absolventen der Bostoner Elite-Uni MIT eine Firma namens Hunch mit Firmensitz in New York zu gründen. Geld machen soll es über Werbung und die Lizenzierung des Frage-Antwort-Spiels.

Und was ist nun mit mir? Sollte ich Hunch nutzen? Hunch sagt: "Zu 99 Prozent: Ja!" Aber das ist vielleicht auch keine neutrale Antwort.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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