HVB-Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt hat die HVB groß gemacht
Albrecht Schmidt: Vom Abschied eines Widerständlers

Wenn er in letzter Zeit lächelte, dann unter Vorbehalt. Zwölf Jahre hat er in seiner Bank den Ton angegeben, umso schlimmer müssen die Monate der Tatenlosigkeit gewesen sein. Jetzt hat Albrecht Schmidt, 67, die Konsequenzen gezogen.

HB MÜNCHEN. Noch bevor der neue Herr der Hypo-Vereinsbank, Alessandro Profumo aus Mailand, gestern die Übernahme der bayerischen Großbank verkünden konnte, hat Schmidt seinen Rücktritt als Vorsitzender des Aufsichtsrats erklärt.

Rein formal ist das ein ganz normaler Vorgang, entsprechend emotionslos sei die Erklärung ausgefallen, erzählen Leute aus dem Aufsichtsrat. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass mit diesem Rücktritt mehr zu Ende geht als eine Ära.

Denn die HVB, die älteste deutsche Aktienbank, wird unter dem Dach der Unicredito eine andere sein. Albrecht Schmidt hat das anfangs mit aller ihm verbliebenen Macht zu verhindern gesucht, wohl auch deshalb, weil es sein Nachfolger Dieter Rampl war, der das Geschäft angebahnt hatte – ohne ihn. Von Rampl an den Rand gedrängt zu werden, das hat Schmidt nicht verwunden. Am Ende hat er sich gefügt, wenn auch nicht ganz. Dass Rampl die Bank viel zu billig nach Mailand verkauft hat, daran hält Schmidt bis heute fest.

Wäre es zum Schluss anders gekommen, diese Karriere hätte Lehrbuchformat. Als Trainee steigt der promovierte Jurist Schmidt 1967 in die Hypothekenabteilung der Bayerischen Vereinsbank ein. Damals ist das Haus eine feine, aber vor allem ziemlich bayerische Adresse. Schmidt wird es sein, der aus dem Haus in den 90er-Jahren eine „focussierte Universalbank“ baut.

Die Laufbahn des in Leipzig geborenen Architektensohns ist wie der Mensch, relativ unauffällig, aber im-mer konsequent. Schmidt denkt in großen Dimensionen, ohne den Sinn fürs Detail zu verlieren. Das zeigt er, musisch stets hoch interessiert und literarisch immer auf dem Laufenden, schon als Repetitor an der Universität – aber das ist eine andere Geschichte. Schon sechs Jahre nach seinem Berufseinstieg zieht er in die Führungsetage der Tochtergesellschaft in Nürnberg ein, 1979 ist er im Vorstand der Konzernmutter angekommen. Im Mai 1990 hat es Schmidt geschafft, er wird Vorstandssprecher; und schon wird es spannend.

Mit dem neuen Chef beginnt eine Phase kräftigen Wachstums. Ob Schanghai oder Schwechat, die Bank wird im Ausland aktiv, übernimmt die Norisbank, wird zum Vorreiter im Online-Banking. Im Gegensatz zur Frankfurter Konkurrenz aber gibt er keine Milliarden fürs Investment-Banking aus. Auch deshalb wird er bald Süddeutschlands mächtigster Banker – und nicht nur das.

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