Hypo Alpe Adria-Prozesstag
„Mir ist schlecht“

Der Ex-Chef der Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulturer, beteuert im Prozess um Bilanzfälschung und Untreue seine Unschuld: Die Ausgabe von Vorzugsaktien sei die einzige Möglichkeit gewesen, an Eigenmittel zu kommen.
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WienDer Prozess um angebliche Bilanzfälschung und Untreue gegen Vorstände der Kärntner Skandalbank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hat am Dienstag eine ungewöhnliche Wendung genommen. Die Befragung des früheren Vorstandschefs Wolfgang Kulterer musste unterbrochen werden, weil sich der Finanzmann wegen der „Aggressivität“ übel fühlte. „Mir ist schlecht. Ich verstehe die Aggressivität nicht und fühle mich heute nicht mehr in der Lage mich noch zu konzentrieren“, sagte der frühere Manager.

Zuvor hatte Kulterer vor dem Klagenfurter Landesgericht am Dienstag seine Unschuld beteuert. Der 59-Jährige sagte, die Ausgabe von Vorzugsaktien sei die einzige Möglichkeit gewesen, zu diesem Zeitpunkt an Eigenmittel zu kommen.

Kulterer betonte die Verantwortung seines Vorstandskollegen Josef Kircher für das Geschäft mit den Vorzugsaktien. Bei diesem Geschäft geht es unter anderem um den Vorwurf der Untreue.

Kulterers Aussage war mit Spannung erwartet worden, weil sein früherer Kollege Kircher ihn in der vergangenen Woche schwer belastet hatte. Kircher bezeichnete das strittige Geschäft mit Vorzugsaktien samt geheimer Nebenabreden als „Schwindelei“, mit der die angeschlagene Hypo Alpe Adria sich bis zum Jahr 2009 weiter retten habe wollen. Kulterer wurde bereits in Zusammenhang mit einem früheren Vorzugsaktiengeschäft rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Wegen einer Schulterverletzung sitzt er noch nicht im Gefängnis.

Die Klärung des genauen Sachverhalts ist für die Bayerische Landesbank sehr wichtig. In Wien klagt die BayernLB in einem Musterverfahren gegen die Mitarbeiterstiftung der Hypo Alpe Adria. Die Bayern sind der Meinung, die Mitarbeiterstiftung habe sie über die Kapitalausstattung der Hypo Alpe Adria arglistig in die Irre geführt.

In dem Klagenfurter Strafverfahren gegen die Hypo-Vorstände Kulturer, Kircher, Siegfried Grigg und Tilo Berlin liegen in der zweiten Verhandlungswoche mittlerweile die Nerven blank. So beschwerte sich der Verteidiger von Kulturer, dass einer seiner Kanzleikollegen vom Ersatzrichter Manfred Herrnhofer angeblich angeschrien worden sei. 

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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