Hypo Real Estate
Diener vieler Herren

Seine Aufgabe ist eine Feuerprobe: Axel Wieandt ist Chef der schwer angeschlagenen Hypo Real Estate. Flausen hat der ehemalige McKinsey-Mann nicht im Kopf - seine Arbeit ist die Sanierung der Bank und nicht die privatwirtschaftliche Lösung. Wer der Eigentümer der Hypo-Real-Estate ist, lässt ihn dabei fast gleichgültig.

FRANKFURT. Die alte Heimat - er hat sie jetzt im Rücken. Hat er sie bereits zurückgelassen? Axel Wieandt sitzt im überschaubar kleinen Konferenzraum der Depfa Pfandbriefbank im tristen Gewerbegebiet Eschborn vor den Toren Frankfurts. Kaffeeduft aus Thermoskannen. Kekse. Der Taunus erstreckt sich hinter ihm, und bis zum Oktober war Wieandt dort und in der Frankfurter City zu Hause. Strategiechef der Deutschen Bank mit 42 Jahren - das war schon etwas. Dann aber kam der inzwischen legendäre Anruf vom Chef, der Wieandt bei einer Party überraschte. Josef Ackermann bat ihn, den Posten an der Spitze des Depfa-Mutterhauses Hypo Real Estate zu übernehmen. Und seitdem ist Wieandt meistens in München, oft in Berlin und manchmal eben auch in Eschborn bei Frankfurt mit dem vertrauten Taunus im Hintergrund.

Herr der Lage ist der Mann mit der runden Hornbrille und dem scheuen, jungenhaften Lächeln nicht. Er hatte von Anfang an keine Chance dazu. Und wenn heute in Berlin die staatlichen Banksanierer vom Soffin ohne ihn die Weichen für eine möglicherweise komplette Verstaatlichung der HRE stellen - dann ist sein Spielraum noch enger geworden. Dann ist er noch mehr der Diener fremder Herren. Wer ihn dazu befragt, erhält klare Analysen wie: "Die Bank ist auf sich gestellt nicht lebensfähig." Kommentare verkneift sich Wieandt.

Diejenigen, die ihn während seiner langen Arbeitstage in München inzwischen näher kennengelernt haben, schätzen genau das an ihm. Dass er keine Flausen im Kopf hat, der ehemalige McKinsey-Mann. Er habe genau gewusst: Seine Aufgabe werde die Sanierung sein und nicht die privatwirtschaftliche Lösung, sagt ein enger Mitarbeiter über Wieandt. Darüber habe er mit den Anteilseignern der Bank, zu denen beispielsweise der Finanzinvestor JC Flowers gehört, Einvernehmen hergestellt. Ob eine solche Lösung außerhalb der Bank sonderlich gut ankomme, sei ihm egal. "Wieandt ist kein Erklärer", sagt ein anderer. "Im Kern", sagt Wieandt selbst, "gibt es ein Geschäftsmodell, das fliegen kann." Nur müsse die Bank dazu eben erst sauber da stehen.

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