Ian Livingston
Generationswechsel

Beim britischen Telekomkonzern BT löst der 43-jährige Ian Livingston den 56-jährigen Niederländer Ben Verwaayen an der Spitze ab. Livingston sorgte seinerzeit als jüngster Vorstand bei einem Großkonzern für Furore.

LONDON. Auch Topmanager haben ein Verfallsdatum. Davon ist zumindest Ben Verwaayen überzeugt, der noch amtierende Chef des britischen Telekomkonzerns BT. Und weil der 56-jährige Niederländer glaubt, dass „sich gute und effektive Führung nicht ewig konservieren lässt“, will er Ende Mai für seinen Nachfolger Ian Livingston Platz machen, der bislang für das Privatkundengeschäft des ehemaligen Monopolisten verantwortlich war.

Analysten zeigten sich allenfalls vom Zeitpunkt der Wachablösung überrascht, die etwas früher als erwartet kommt. Der 43-jährige Livingston, der seine ersten Lorbeeren beim Elektroeinzelhändler Dixons verdient hatte, galt schon länger als Thronfolger, nachdem sein härtester interner Konkurrent Andy Green als Vorstandschef zum Technologiekonzern Logica CMG gewechselt war.

Livingston wirkt jugendlich, souverän und kompetent, wenn er in der Öffentlichkeit auftritt, und er hat Ehrgeiz. Als er 2002 zunächst als Finanzchef zu BT wechselte, war er der jüngste Vorstand in der Eliteklasse des britischen Aktienmarkts.

Der Wachwechsel erfolgt zu einem für BT schwierigen Zeitpunkt. Seit Anfang Januar sackte die Aktie um rund 15 Prozent ab, nachdem sie bereits im vergangenen Jahr zehn Prozent an Wert verloren hatte. Konkurrenten wie Carphone Warehouse oder BSkyB machen dem ehemaligen Staatskonzern im Festnetz- und im Breitbandgeschäft das Leben schwer. Die Wettbewerber nutzen für ihre Angebote zunehmend eigene Netze, statt sie von BT zu mieten. Unter der schärferen Konkurrenz leidet vor allem die Großkundensparte von BT, deren Umsatz in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahrs um knapp sieben Prozent fiel.

Die Mehrheit der Analysten rechnet nach Livingstons Amtsantritt nicht mit einem Strategiewechsel. Einige gehen aber davon aus, dass der Machtwechsel der Auftakt zu einer neuen Sparrunde sein wird. „Wir glauben, dass Livingston die Kosten wieder stärker im Blick hat“, schreiben die Experten von Merrill Lynch. Sie gehen davon aus, dass BT im Festnetzgeschäft mit 50 000 Beschäftigten statt der derzeit 80 000 Mitarbeiter auskommen könnte.

Bereits unter Verwaayen hatte der Ex-Staatskonzern Jahr für Jahr im Schnitt 5 000 Stellen gestrichen. In der Londoner City hat sich der Niederländer damit einen Ruf als harter und fähiger Sanierer erworben. Unter der Führung des diplomierten Juristen, der den Posten im Jahr 2002 übernahm, hat sich der Ex-Monopolist zu einem weltweiten Anbieter von IT- und Telekomdiensten entwickelt. Bei Verwaayens Amtsantritt lastete auf BT noch ein Schuldenberg von 16 Milliarden Pfund. Der ehemalige Lucent-Manager öffnete das BT-Netz für Konkurrenten, um eine Zerschlagung des Konzerns durch die Regulierungsbehörden zu verhindern. Außerdem trieb er das Breitbandgeschäft von BT voran.

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