IASB-Bilanzierungsregeln
Der unbekannte Feind aus London

Die meisten Unternehmer kennen ihre Gegner, meist handelt es sich um Konkurrenten - und oft wissen die Manager auch, was ihre Wettbewerber umtreibt oder wie sie ticken. Doch viele Firmen haben einen Feind, von dem manche nur wenig wissen. Das geht schon beim Namen los. Konkret geht es um die IASB und ihre neue Bilanzierungsregeln.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. "International Accounting Standards Board", kurz IASB, heißt die privatwirtschaftliche Firma, die eigentlich eine Art Behörde ist; jedenfalls nach der Macht zu urteilen, die Beamte - unter anderem in Brüssel - dem Laden verliehen haben. Denn sie übernehmen die Regeln des IASB als europäische Standards. Sitz des einflussreichen Gremiums ist London - und seine wichtigste Aufgabe ist es, die internationale Bilanzierung weiterzuentwickeln und Schwachstellen zu beheben.

Und Schwachstellen in der Rechnungslegung gäbe es tatsächlich genügend. So war die Fair-Value-Bilanzierung, also die möglichst tagesaktuelle Bewertung von Vermögensgegenständen - vor allem von Wertpapieren -, einer der Treibsätze für die Jahrhundertkrise auf den Finanzmärkten.

Doch die schnelle Behebung dieser Mängel steht beim IASB ganz hinten an - stattdessen kümmern sich die im Dienste der Rechnungslegung tätigen Privatbeamten lieber um



  • die angestrebte Konvergenz der europäischen mit der amerikanischen Rechnungslegung,
  • die eher theoretische Frage "Wann ist ein Umsatz angefallen?" sowie
  • neue Regeln, wann ein von einer Firma geleaster Gegenstand in der Bilanz auftauchen muss - und wann eben nicht.



Um nur einige der umstrittenen Vorschläge zu nennen. Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW), wundert sich: "Die Agenda des IASB scheint im Moment ein wenig verrutscht zu sein." Das Gremium verzettelt sich, so andere Rechnungslegungsexperten.

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Kommentare zu " IASB-Bilanzierungsregeln: Der unbekannte Feind aus London"

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  • Dieser Artikel ist geprägt von großer Unkenntnis gepaart mit fehlender eigenständiger Recherche.
    So war beispielsweise nicht die Zeitwertbilanzierung für Finanzinstrumente im Handelsbestand der Auslöser der Krise, sondern die Tatsache, dass viel Geld für Ramsch bezahlt wurde. Durch das Verschweigen von Wertminderungen wird die Tatsache an sich nicht aus der Welt geschafft. Das Eigenkapital ist und bleibt außerplanmäßig gemindert und der Anleger bzw. der Gläubiger hat ein Recht darauf, diese Minderung in ihrem vollen Ausmaß gezeigt zu bekommen.

    Auch die Frage, wann ein Umsatz angefallen ist, sollte ohne jegliche Ermessensentscheidungen durch die Unternehmung in ihrer Gewinn- und Verlustrechnung beantwortet werden. Ermessensentscheidungen führen in die Gefahr, auch ggf. erst zukünftig entstehende Umsätze vorzeitig zu erfassen und damit im harmlosen Fall ein falsches bild der Ertrags- und Finanzlage zu zeigen.

    Das es an der Zeit ist, iAS 17 (Leasing)zu überarbeiten, zeigt nicht nur der Fall Arcandor, sondern auch eine internet-Recherche zu dieser Frage, die zu einer Vielzahl von Angeboten führt, die Regelungen für die bilanzierung des Nutzungsanspruchs beim Leasingnehmer zu umgehen.

    Und eine Kapitalflussrechnung hat der Verfasser dieses Artikels offensichtlich in seinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

    Die Liste ließe sich fortsetzen, aber das Urteil steht fest. Dieser Artikel war des Handelsblattes unwürdig.





  • Es müssste noch hinzugefügt werden das die Regelungen iFRS, US-"GAP" etc. die meisten deutschen Unternehmen doch überhaupt nicht betreffen. Außerdem sind für die deutschen Unternehmen die klassischen HGb -Regeln in erster Linie immer noch maßgeblich da diese in erster Linie der Ermittlung der besteuerungsgrundsätze dienen. Ein Feind sind diese Regeln sicher nicht....

  • Ein Artikel, der auch sachlich sowas von falsch ist.

    Zunächst gibt es auch zahlreiche Stimmen, dass der Fair Value keineswegs Verstärker der Krise war. Denn Abschreibungen nach unten!!!! (also wenn der Marktwert fällt) muss selbst bei HGb sofortig erfolgen. Nur über die Anschaffungskosten darf nicht bilanziert werden nach HGb. Aber das Problem hatte nun keine bank während der Krise.

    Der Leasingstandard ist äußerst sinnvoll und mit Sicherheit kein "Randprojekt", denn Stand heute werden bei zahlreichen Firmen die Leasingverträge so gestrickt, dass sie alle außerhalb der bilanz sind obwohl vertraglich versichert Milliardenzahlungen in den nächsten Jahren getätigt werden müssen. Es werden sogar Sondergesellschaften gestrickt, wo weder der Leasinggeber noch der Leasingnehmer das Objekt und die Verbindlichkeiten in seinem Abschluss hat, schönen Gruß an die Airlines oder immobilienfirmen.

    Und natürlich nimmt die industrie Einfluss auf den iASb. So können die Vorschläge erstens kommentiert werden weit weit vor einem ersten offiziellen Vorschlag eines neuen Standards. Weiterhin gibt es institutionen wie den efrag, die sich gleich an die EU angekoppelt haben und wodurch die industrie ihre Meinung wiedergibt.

    Weiterhin ist es völlig egal zumindest für die EU-Unternehmen, was der iASb beschließt. Denn erst was die EU zulässt (Endorsement ist hier das Stichwort), ist anzuwenden. Und da können alle nochmal Einfluss nehmen. Und wie man am iFRS 9 Standard (Finanzinstrumente) sieht, tut die Wirtschaft das auch intensiv und erfolgreich. iNsofern kann das iASb natürlich etwas beschließen, ist aber dann eh unwirksam, da die EU entscheidet.

    Und wer glaubt "Revenue Recognition" sei unwichtig, hat noch nie gesehen mit welche Vehemenz Manager versuchen Umsätze zu verschieben, wenn es in ihre boniprogramme geht.

    Und zur dreigeteilten Darstellung. bestes beispiel, dass Einfluss genommen wird. Das Projekt ist gerade zurückgestellt worden intern und neue sogenannten Exposure Drafts werden gar nicht mehr vorbereitet.

    Man kann ja viel über den iASb meckern, auch gegen bilanzierungsstandards. Aber das hier ist einfach an vielen Enden sachlich falsch und damit eher bild Niveau als Handelsblatt. Wenn das aus der führenden Wirtschaftszeitung Deutschlands ist, dann habe ich Sorge um die Qualität des deutschen Wirtschaftsjournalismus.

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