Iberia-Tochter Clickair startet
Ein Jesuit als Billigflieger

Carlos Losada kennt alle Tricks, wie man erfolgreich ein Unternehmen aufbaut – und legt dabei, ganz im Sinn der Jesuiten, stets großen Wert auf soziale Verantwortung. Nun aber steht der Jurist vor einer neuen Aufgabe – und bei der wird es schwer, diese Linie durchzuhalten.

MADRID. Freundlich schaut Carlos Losada in die Runde. Der Geschäftsführer der von Jesuiten gegründeten spanischen Managementschule Esade erklärt den Journalisten die neuen MBA-Programme. Er setzt dabei dieses einladende Lächeln auf, als wolle er sagen: „Kommt her meine Schäfchen!“

Der 59-Jährige kennt alle Tricks, wie man erfolgreich ein Unternehmen führt, und weiß, wie man eine Marke aufbaut: So hat er in den vergangenen sechs Jahren die Esade in Barcelona zu einer der besten MBA-Schmieden der Welt gemacht – und legt dabei, ganz im Sinn der Jesuiten, stets großen Wert auf soziale Verantwortung. Nun aber steht der Jurist vor einer neuen Aufgabe – und bei der wird es schwer, diese Linie durchzuhalten.

Das Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation Oxfam ist an die Spitze der spanischen Billig-Airline Clickair berufen worden, die am 1. Oktober startete. Angestoßen wurde Clickair von der größten spanischen Fluggesellschaft Iberia – ein umstrittenes Projekt, das viele der dortigen Piloten als unsozial bezeichnen. Sie fürchten, dass Iberia seinen Kapitalanteil an Clickair von 20 Prozent Stück für Stück erhöht und beim Mutterhaus, wie in den vergangenen Jahren bereits praktiziert, immer mehr Personal abbaut und die Gehälter weiter einfrieren könnte.

Clickair startet eigentlich viel zu spät. Der strategische Geschäftsplan sieht für Ende 2008 rund 70 Flugrouten zwischen 55 spanischen und europäischen Städten vor. Der spanische Markt ist jedoch übersättigt mit Billigfluggesellschaften. Losada muss an seinem Standort Barcelona gegen Wettbewerber wie Ryan Air, Germanwings und Air Berlin ankämpfen. Die kriselnde Iberia hat in den vergangenen Jahren an sie viele internationale Kunden verloren, darunter viele der 50 Millionen Urlauber, die jährlich nach Spanien kommen.

Losada wirbt deshalb um eine neue Klientel: „Für viele kleinere spanische Firmen wird es interessant sein, unsere Linie zu nutzen, weil sie Direktverbindungen ins Ausland anbietet, die es bisher zu diesem Preis nicht gab“, sagt Losada. Derzeit fliegt Clickair von Barcelona nur die Flughäfen in Lissabon, Zürich und Genf an. Ab nächstem Jahr kommen unter anderem Berlin, Frankfurt und München hinzu. Direktflüge sollen dann auch von Valencia und Sevilla möglich sein. Außerdem will Losada einen Imagewandel bewirken: „Die Bezeichnung Low-Cost-Airline ist verwirrend. Tatsache ist, dass die traditionellen Fluggesellschaften High-Cost-Airlines sind.“

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