IBM-Mann Catania lenkt die Ferrovie dello Stato
Ein Technikfreak für die italienische Bahn

Der fast zwei Meter große Sizilianer Elio Catania mit der runden Brille und der hohen Stirn ist ein waschechter High-Tech-Manager; und als solcher will er auch wahrgenommen werden.

MAILAND. Wenn sich Elio Catania, 57, fotografieren lässt, dann gerne vor einem Laptop oder mit dem Handy am Ohr. Und wenn er spricht, dann gibt es kaum einen Satz, der die Wörter „Technologie“ oder „Innovation“ nicht enthält. Der fast zwei Meter große Sizilianer mit der runden Brille und der hohen Stirn ist ein waschechter High-Tech-Manager; und als solcher will er auch wahrgenommen werden. So verblüfft es auf den ersten Blick, dass ausgerechnet der Italienchef des amerikanischen Computerriesen IBM zum neuen Boss der italienischen Staatsbahnen (Ferrovie dello Stato) berufen wird.

Die Personalie besitzt aber durchaus ihre Logik. Denn erstens haben Premier Silvio Berlusconi und sein mächtiger Wirtschaftsminister Giulio Tremonti einen loyalen Manager für den riesigen Konzern mit seinen mehr als 100 000 Mitarbeitern gesucht. Spätestens seit der weltgewandte Elektroingenieur 2001 als Minister – natürlich für technische Innovation – der bürgerlichen Koalition gehandelt wurde, waren seine politischen Präferenzen klar. Zweitens suchten Berlusconi und Tremonti nach einem Top-Manager für die Bahn, als Giancarlo Cimoli vor zwei Wochen seinen Wechsel zur Krisen-Airline Alitalia ankündigte. Und Catania hat in Italien einen hervorragenden Ruf.

Direkt nach dem Studium an der Universität in Rom startete er 1970 seine Karriere bei IBM. Dort steigt er schnell auf, verantwortet ab 1985 das inländische Geschäft mit Finanzinstitutionen und macht nebenbei einen betriebswirtschaftlichen Master an der Bostoner Eliteuni MIT. 1987 geht er als Marketingchef Europa nach Paris, und 1994 wird er in einer schwierigen Phase für IBM Lateinamerikachef. Fünf Jahre später kehrt er zurück, dieses Mal als Präsident und Vorstandschef der IBM SpA, die mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz zu den 20 größten Unternehmen Italiens zählt. In der Statistik für 2003 liegt IBM exakt einen Platz hinter den Ferrovie dello Stato.

Mitarbeiter beschreiben Catania als außergewöhnlich höflich, verständnisvoll und geduldig. Er wird diese Eigenschaften auch benötigen. Zwar hat Vorgänger Cimoli aus einem Unternehmen, das früher jährlich zwei Milliarden Euro Verlust schrieb, einen profitablen Konzern gemacht. Aber die Ferrovie dello Stato sind noch immer in weiten Teilen ineffizient. Im Gütertransport verliert der Konzern viel Geld. Die Servicequalität bleibt jenseits der Hauptachsen wie Mailand-Rom oft auf der Strecke. Zudem ist Ärger mit den Gewerkschaften programmiert. Denn seit 1996 wurden bereits 30 000 Stellen gestrichen; und weitere 10 000 sollen folgen.

Beobachter fragen sich, ob ein Manager, der sein ganzes Leben lang in einer Wachstumsbranche tätig war, für diese Aufgaben gerüstet ist. Catania könnte entgegenhalten, dass sich sein Job kaum ändern wird: Schon bei IBM hat er sich um schnelle Netze gekümmert. Dasselbe erwartet ihn bei der Bahn. Seine vordringlichste Aufgabe wird der Ausbau des Hochgeschwindigkeitsnetzes sein.

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