„Ich kenne Züblin in- und auswendig“
Der Bau-Fuchs aus Stuttgart

Der Taktiker Manfred Nußbaumer steigt zum Chef des fusionierten Bauriesen aus Züblin und Walter Bau auf. Hinter seinem zurückhaltendem Auftreten verbirgt sich ein harter Arbeiter, der zupackend und durchsetzungsfähig ist.

MÜNCHEN. Manfred Nußbaumer tritt nach außen freundlich und zuvorkommend auf. Er versprüht dabei einen gewissen Charme, der in der ansonsten eher rauen Baubranche selten zu finden ist. Dahinter verbirgt sich aber ein harter Arbeiter, zupackend und durchsetzungsfähig. Mit Sachkenntnis und vor allem viel Geschick steuerte er die Ed. Züblin AG durch die Baukrise.

Ihm macht so schnell keiner etwas vor. „Ich kenne Züblin in- und auswendig“, sagt der mittelgroße, stämmige 63-jährige Vorstandschef mit dem grauen Schnauzbart von sich. Seit 34 Jahren arbeitet er bei Züblin, seit 18 Jahren sitzt er im Vorstand, davon die letzten sieben Jahre als Vorstandschef. Ihm gelang es, mit dem Stuttgarter Konzern in der Baukrise noch Geld zu verdienen, während Konkurrenten wie Holzmann Pleite gingen oder wie Walter Bau tiefrote Zahlen schrieben.

Und jetzt ist ihm ein noch größeres Kunststück geglückt: Manfred Nußbaumer soll Chef des fusionierten Unternehmens werden, das nach der Übernahme von Züblin durch Walter Bau entsteht. Der Sprung an die Spitze ist ihm auch geglückt, weil er das lange Gezerre der Eigentümer um Züblin ohne größere Blessuren überstanden hat.

Die Auseinandersetzung zwischen dem ungeliebten Mehrheitsaktionär, der Familie Walter, und der Familie des Züblin-Alteigentümers Lenz drohte zu einer unendlichen und unsäglichen Geschichte zu werden. Baulöwe Ignaz Walter setzte sich zunächst rabiat im Aufsichtsrat gegen die Familie Lenz durch, musste aber erkennen, dass er deren Gegenwehr unterschätzt hatte. Sie weigerte sich, ihre Anteile zu verkaufen, und machte Walter Schwierigkeiten, wo sie nur konnte.

Ignaz Walter reagierte und parkte fünf Prozent der Züblin-Aktien bei einem befreundeten Unternehmer. Damit senkte er seine Beteiligung an Züblin unter 50 Prozent. Fortan sah er das Aktienpaket nur noch als Finanzbeteiligung, die er verkaufen wollte. Als ihm dies aber nicht gelang, bekam die Familie Lenz wieder Oberwasser. Sie versuchte, mit der Dortmunder Heitkamp Deilmann Haniel ihrerseits Walter Bau die Mehrheit an Züblin abzukaufen. Aber auch das scheiterte. In diesem Sommer starb dann das Oberhaupt der Familie Lenz. Die beiden Söhne hatten genug vom ewigen Kampf. Nun haben sie ihren Anteil an Walter verkauft.

In dieser unsicheren Gemengelage ergriff Nußbaumer nie öffentlich Partei, weder für Walter noch für Lenz. Der Liebhaber ausgedehnter Waldspaziergänge bewegte sich in diesem gefährlichen Dickicht, immer auf der Hut, keinen tödlichen Fehler zu machen. Als Vorstandschef konnte er an der Eigentümerstruktur nichts ändern. Sich offen gegen Walter zu stellen, hätte ihm seinen Job gekostet. Nußbaumer konzentrierte sich auf das Geschäft, nach dem Motto, „was für Züblin gut ist, ist am Ende auch für mich gut“. Für die streitenden Parteien um die Vorherrschaft bei Züblin war er nie ganz auszurechnen und wegen seines Erfolgs nicht zu ersetzen.

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