ICI
McAdams Widerstand wird schwächer

Noch wehrt sich John McAdam, Chef von ICI, offiziell gegen das Angebot von Akzo Nobel. Doch tatsächlich klingt das „Nein“ des studierten Chemikers lange nicht mehr so entschlossen wie beim ersten Anlauf.

LONDON. John McAdam muss sich gegen unerwünschte Zuneigung wehren. Der Chef des britischen Farbenherstellers ICI hat jetzt bereits das zweite Übernahmeangebot des niederländischen Chemiekonzerns Akzo Nobel auf dem Tisch. Dieses Mal will der Konkurrent 650 Pence je Aktie von ICI bezahlen. Sollte der Deal gelingen, will der deutsche Konsumgüterkonzern Henkel zwei Tochterfirmen von ICI kaufen, um die eigene Klebstoffsparte zu stärken. Bisher scheiterten jedoch alle Pläne an ICI-Chef McAdam, dem auch die neue Offerte zu niedrig ist.

Offiziell beharrt der Manager, der seit vier Jahren ICI leitet, darauf, dass er die Expansion in Eigenregie vorantreiben will. Doch tatsächlich klingt das „Nein“ des studierten Chemikers lange nicht mehr so entschlossen wie beim ersten Anlauf von Akzo Nobel. Damals sprach er von einer „signifikanten Unterbewertung“, inzwischen ist nur noch davon die Rede, dass die Offerte „noch nicht den vollen strategischen Wert von ICI“ widerspiegele.

Sollte McAdam nachgeben, wäre das der Abschluss des schleichenden Niedergangs des einst stolzen britischen Chemieriesen. Vor vierzig Jahren beschäftigte ICI 130 000 Menschen und galt als verlängerter Arm der britischen Regierung. Heute arbeiten dort noch 26 000 Mitarbeiter, und der Börsenwert hat sich von elf Mrd. auf fünf halbiert.

Auch McAdam trieb die Rationalisierung eisern voran. Der Manager startete seine Karriere beim Konsumgüterkonzern Unilever. Als der 1997 sein Spezialchemiegeschäft an ICI weiterreichte, gehörte McAdam quasi mit zur Verkaufsmasse. 1998 stieg er zum Leiter des Farbengeschäfts auf, 2003 zum Vorstandschef. Unter seiner Ägide trennte sich ICI von vielen Randgeschäften und ist heute auf die Produktion von „Dulux“-Farbe und chemischen Spezialprodukten konzentriert. Noch wehrt sich McAdam gegen das Schicksal, als letzter Chef von ICI in die Annalen einzugehen. Aber Analysten glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Akzo oder ein anderer Bieter den Widerstand des Managers bricht.

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