IDS Scheer
Mit neuem Chef zu neuen Ufern

Das Software- und Beratungsunternehmen IDS Scheer steht an einer Schwelle zu einer neuen Größenordnung und soll globaler werden. In die neuen Sphären soll sie der neue Vorstandschef Thomas Volk führen.

dpa-afx FRANKFURT. "Aus IDS Scheer soll eine Firma werden, die beim Umsatz in Richtung eine Milliarde Euro geht", sagte Volk der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe). Volk ist seit diesem Freitag (1. September) Vorstandschef der TecDax-Gesellschaft.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Vergangenes Jahr kam Scheer auf einen Umsatz von knapp 320 Mill. Euro. Nach bisheriger Planung soll sich dieser Wert zunächst bis zum Jahr 2010 verdoppeln. Heute erzielt Scheer um die 70 Prozent seines Umsatzes in Europa, in Nordamerika sind es weniger als 20 Prozent und in Asien weniger als zehn Prozent.

"Das entspricht nicht einem Global Player", sagte Volk. Ihm schwebe eine Umsatzverteilung im Konzern von 40 Prozent Nordamerika, 40 Prozent Europa und 20 Prozent Asien vor. Das Wachstum hierzulande soll nicht vernachlässigt werden, nur anderswo soll das Unternehmen schneller wachsen, sagte der neue Vorstandschef. "Man muß sich Gedanken machen, wie man so eine Firma aufbaut und das Geschäft skalierbar gemacht werden kann", gibt Volk seine Vorgaben, die er vom Aufsichtsrat erhalten hat, wider. Gemessen werden dürfte Volk vor allem an den Ergebnissen im Auslandsgeschäft; die liegen bei Scheer deutlich unter der ansehnlichen Inlandsmarge.

Die internen Strukturen für künftiges Wachstum sind bereits geschaffen worden, wie es hieß. Das Produkt- und das Beratungsgeschäft werden künftig stärker zentral geführt. Das Softwareprodukt von Scheer (Aris), ein Programm zur Verbesserung von Geschäftsprozessen, sei in der Fachwelt international anerkannt. "Wenn das so gesehen wird, dann können wir es auch internationaler und erfolgreicher verkaufen", sagte Volk. Im Produktgeschäft will er sich dabei stärker auf Partner, etwa Systemintegratoren, fokussieren. Das sind Unternehmen, die Hard- und Software verschiedener Anbieter integrieren. Sie sollen laut Volk als Multiplikatoren für die Scheer-Software in den Märkten wirken.

Der neuen Kooperation auf Produktebene mit Oracle sollen weitere folgen, kündigte Volk an. Eine Behinderung der jahrelangen und sehr engen Zusammenarbeit mit SAP sieht er durch die neue Partnerschaft mit dem schärfsten SAP-Konkurrenten nicht. Die Zusammenarbeit mit Oracle zeige, daß Scheer-Software auch außerhalb des SAP-Umfelds anerkannt werde. Es sei das Ziel, diese Software als Standard für Geschäftsproze ßmanagement international bekannt zu machen. SAP habe natürlich von den Plänen mit Oracle gewußt, sagte Volk.

Das margenschwächere Beratungsgeschäft soll ein klares Profil in lokalen Märkten bekommen, etwa dadurch, daß bestimmte Kundenindustrien definiert werden. Als Beispiel nannte Volk Software für Compliance Management (Überwachung gesetzlicher Auflagen) im Gesundheitswesen. In den letzten Jahren habe es eine solche Profilierung außerhalb des SAP-Geschäfts kaum gegeben. Außerdem sollen sich die Berater weniger auf die reine Implementierung beispielsweise von SAP-Software konzentrieren, sondern stärker die Geschäftsabläufe und deren Verbindung zur Informationstechnologie aufgreifen. Das bietet höhere Margen. Durch die zentralere Struktur erwartet sich Volk auch Effizienzvorteile durch die bessere Nutzung von Beraterressourcen und Know-how.

Seine bisherigen Tätigkeiten beim amerikanischen Softwareunternehmen Sybase und zuvor bei Hewlett-Packard (HP) sieht Volk als gute Referenzen. Sybase sei etwas größer als Scheer und internationaler aufgestellt. Dort war Volk als Vorstand für das internationale Geschäft tätig. Den wichtigen amerikanischen Markt kennt Volk, er lebte neun Jahre in Amerika. Börsenregularien und -usancen sind Volk ebenfalls vertraut. Seine HP-Vergangenheit sei hilfreich, wenn es darum gehe, Geschäftsprozesse international in größeren Größenordnungen zu steuern, sagte er.

Bleibt noch das Verhältnis zum bisherigen Scheer-Chef Helmut Kruppke, wie die Zeitung schreibt. Der ist seit der Gründung im Unternehmen und bleibt als Finanzvorstand bei IDS Scheer. Volk wies darauf hin, daß Kruppke Vorstandssprecher war, er sei Vorstandsvorsitzender.

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