IKB
Der Strippenzieher wird zum Krisenmanager

Auf Günther Bräunig, neuer Vorstandschef der IKB, kommt eine Menge Arbeit zu: Für den 51-jährigen gilt es bei der Düsseldorfer Bank, die Klippe der US-Hypothekenkrise zu umschiffen. Dabei kommt dem Mann, der die Rolle im Hintergrund gewohnt ist, viel Aufmerksamkeit zu.

FRANKFURT. Eigentlich wollte er vor allem die Fahrten nach Asien genießen, auf denen er Investoren die Milliardenanleihen der KfW Bankengruppe schmackhaft machen sollte. In den kommenden Monaten wird es nun eher die Rheinmetropole Düsseldorf sein, die Günther Bräunig zu sehen bekommt. Der KfW-Vorstand soll als neuer Vorstandschef der IKB die Kohlen aus dem Feuer holen. Die Düsseldorfer Mittelstandsbank hatte in der Nacht zu Montag eine Gewinnwarnung herausgegeben und diese mit der US-Hypothekenkrise begründet.

Damit wird der 51 Jahre alte Strippenzieher, der lieber hinter den Kulissen agiert, ein Krisenmanager im Licht der Öffentlichkeit, der vor allem um das verlorene Investorenvertrauen werben dürfte. Dass der zweite Mann der KfW, der starke Mann hinter KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier, persönlich den Chefposten bei der IKB übernehmen soll, zeigt, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.

Bräunig kennt sich aus mit der IKB. Er war es, der maßgeblich die Beteiligung der KfW an der Düsseldorfer Mittelstandsbank einfädelte, als sich 2001 die Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück von ihren Anteilen trennten. Das war eine von mehreren zentralen Weichenstellungen für die KfW, an denen er beteiligt war. Bräunig ist zudem ein Spezialist für Verbriefungen – genau der Bereich, bei dem es in der IKB derzeit Probleme gibt.

Seinen Vorstandsposten bei der KfW behält der Kunstliebhaber und Hobby-Tennisspieler aber bei, so dass vieles nur für ein vorübergehendes Vorstandsmandat am Rhein spricht. Übergangsweise sollen sich Vertreter um seine zentralen Felder bei der KfW – Mittelbeschaffung, Kreditverbriefung sowie Privatisierungstransaktionen – kümmern.

Bräunig würde die KfW auch kaum verlassen wollen. 18 Jahre ist der zweifache Familienvater bei der staatseigenen Bank, hatte lange geduldig gewartet, bis er im vergangenen Jahr in den Vorstand aufrückte. Heute gilt er als der mit Abstand heißeste Kandidat für die Nachfolge von Matthäus-Maier als KfW-Vorstandschef in einigen Jahren.

Der promovierte Jurist zog die Bankenwelt gleich nach seinem Referendariat am Landgericht Wiesbaden den Gerichtssälen vor. So stieg er 1984 bei der Commerzbank im Investment-Banking ein, brachte es innerhalb von zwei Jahren zum Referatsleiter, um dann zum deutsch-französischen Airbus-Projekt zu wechseln mit Stationen in Toulouse und Washington. 1989 brachte ihn eine Finanzierung für Airbus zur KfW, für die er bald ein zentraler Spieler wurde – wenn auch lieber im Hintergrund.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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