IKB-Vorstand Stefan Ortseifen
„Mr. Mittelstand“ muss vor den Richter

Das Drama um Rettung und Verkauf der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB erhält ein gerichtliches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat am Mittwoch Anklage gegen den früheren Chef der Mittelstandsbank, Stefan Ortseifen, erhoben. Der Banker muss sich dabei Vorwürfen stellen, die seinen Ruf als soliden Geschäftsmann auf den Kopf stellen könnten.

HB FRANKFURT. Es war Freitagmittag, der 27. Juli 2007, als das Telefon von Eon-Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann klingelte. Am anderen Ende der Leitung: Stefan Ortseifen, Vorstandschef der kleinen, aber renommierten Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB. Hartmann war Aufsichtsrat der Bank - und was Ortseifen ihm erzählte, hatte es in sich: Die IKB, eröffnete der Vorstandschef, stehe kurz vor dem Untergang.

Das Drama um Rettung und Verkauf, das sich in den folgenden Monaten abspielte, hat jetzt ein gerichtliches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat am Mittwoch Anklage gegen den früheren Chef der Mittelstandsbank erhoben. Stefan Ortseifen stehe im Verdacht, den Börsenkurs der IKB manipuliert zu haben, teilte die Behörde mit. Außerdem wirft sie ihm Untreue in vier Fällen vor.

Die IKB hatte sich am US-Immobilienmarkt verspekuliert und war nach dem Ausbruch der Finanzkrise in finanzielle Schieflage geraten. Das Institut konnte nur durch Finanzspritzen des Bundes und der Finanzwirtschaft in Höhe von mehr als zehn Mrd. Euro vor der Pleite bewahrt werden.

Die Staatsanwaltschaft macht Ortseifen für eine offizielle Mitteilung des Vorstandes vom 20. Juli 2007 verantwortlich. Darin, so meinen die Ankläger, soll er die Auswirkungen der beginnenden Finanzkrise auf die IKB zu positiv dargestellt haben. Damit habe der Bankchef erreicht, dass die Anleger wieder mehr IKB-Aktien gekauft hätten und der Börsenkurs stabilisiert worden sei. Nur eine Woche später habe die IKB allerdings kurz vor der Insolvenz gestanden, zehn Tage später habe es erdrutschartige Kursverluste gegeben.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ortseifen zudem vor, 120 000 Euro aus dem Vermögen der IKB veruntreut zu haben. In drei Fällen habe er seine Dienstvilla auf Kosten der Bank umbauen lassen, ohne dass die Miete wegen des Mehrwertes angepasst worden wäre. Zudem habe der Ex-Bankchef hochwertige Lautsprecher gekauft und diese ohne Genehmigung über die Bank abgerechnet.

Gegen zwei weitere Ex-Vorstandsmitglieder der IKB beantragte die Staatsanwaltschaft Strafbefehle wegen der Baumaßnahmen an Häusern.

Die Staatsanwaltschaft war auch der Frage nachgegangen, ob der Großeinkauf von hochspekulativen Immobilienpapieren als Untreue der IKB-Vorstandsmitglieder zu werten war. Dies wäre der Fall gewesen, wenn das Risiko so hoch gewesen wäre, dass es "mit den Pflichten des Geschäftsbetriebs nicht zu vereinbaren" gewesen wäre, sagte Oberstaatsanwalt Michael Marx-Manthey. Angesichts der zuvor hohen Gewinne aus den Geschäften sei das Vorgehen aber "maximal fahrlässiges Verhalten". Dies sei im Bereich der Untreue nicht strafbar.

Unter dem als solide geltenden Ortseifen, der in der Branche den Namen "Mr. Mittelstand" führte, hatte das Management milliardenschwere Investmentgesellschaften außerhalb der Bilanz aufgebaut - "willkommene Zusatzerträge im margenarmen Kerngeschäft", so warb der Vorstandssprecher damals. Die US-Immobilienkrise und die Krise am Verbriefungsmarkt ließ dieses Geschäftsmodell aber derart einbrechen, dass es die Mittelstandsbank eben fast hinweggefegt hätte. Der 27. Juli vor zwei Jahren gilt seither als der Tag, an dem die Finanzkrise endgültig in Deutschland angekommen war.

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