Im Betrugsfall Phoenix wittern Anwälte großes Geschäft
Krieg der Kläger

Es ist ein ungleiches Paar, das im Saal Simson im Kongresszentrum von Suhl vorne an einem weißen Resopaltisch sitzt. Zwei Männer in dunkelblauem Zwirn, der eine klein, der andere groß. Zehn Meter entfernt sitzen rund 250 Menschen auf Metallstühlen, viele blicken misstrauisch, mürrisch.

HB SUHL.Die Atmosphäre im Mehrzwecksaal Simson erinnert an die Verkaufsveranstaltung einer Butterfahrt. Doch der schlaksige Heinz Steinhübel und der kompakte Wolf von Buttlar wollen mitten im Thüringer Wald keine Heizdecken losschlagen. Die beiden Juristen aus Tübingen gehören zu den prominentesten Anlegeranwälten Deutschlands. Sie sind nach Suhl "ins Epizentrum" (von Buttlar) eines der größten deutschen Finanzbetrugsfälle gereist, um möglichst schnell möglichst viele Klienten einzusammeln. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Wenn es um Anlagebetrug in großem Stil geht, dann kämpfen inzwischen auch in Deutschland selbst zurückhaltende Anwälte wie ihre Kollegen aus Amerika mit harten Methoden um Kunden und Honorare.

Objekt der Juristenbegierde im Thüringer Wald ist der Fall Phoenix, ein Frankfurter Hedge-Fonds, der 30 000 Anleger um mindestens 300 Millionen Euro geprellt haben soll. Gut zehn Jahre lang lockten die Phoenix-Manager ihre Kunden mit zweistelligen Renditen aus Börsenwetten auf Rohöl, Kaffee oder Aktienindizes. Hochriskante Geschäfte, die noch viel riskanter waren, als die Kunden ahnten - ein Phoenix-Konto bei einer Tochter des weltgrößten Hedge-Fonds Man Group in London mit angeblichen Guthaben von vielen hundert Millionen Dollar wurde über Jahre manipuliert. Jetzt ist Phoenix pleite, und die Millionen sind verschwunden.

20 000 Euro hat Hubert Karcher* Phoenix in den Rachen geworfen. "Uns haben die Berater versprochen, dass das nicht riskanter ist als ein Aktienfonds", klagt der selbstständige Ingenieur. "Wenn kriminelle Energie im Spiel ist, kann man nichts machen", meint Rentner Karl Strube*-Heinz , der mit 8 000 Euro dabei war, schicksalsergeben (*Namen von der Redaktion geändert).

Im schönen Thüringen sind ostdeutsche Finanzvertriebe wie Innofinanz, Pro Index und FMK bevorzugt auf Jagd nach Phoenix-Kunden gegangen. "Allein in Südthüringen dürfte es 10 000 Opfer geben", klagt Günter Pfaff von der Landes-Verbraucherzentrale. "Das sind Schicksale, die auch den Berater betroffen machen." Er warnt die Anwälte davor, zu große Erwartungen zu wecken: "Da werden auch viele Hoffnungen enttäuscht werden."

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