Im Profil: Matt Donnelly
Der Turbo aus Nordirland

Russland sollte für Matt Donnelly nur eine kurze Zwischenstation bleiben. Mittlerweile lebt der Ire seit elf Jahren dort und hat die Rolf-Gruppe innerhalb kurzer Zeit von einem kleinen Autohaus in einen der größten Neuwagenimporteure verwandelt.

MOSKAU. Es sollte nur eine Sache von ein paar Jahren sein. Als Matt Donnelly 1996 nach Russland kam, war klar: Er wollte hier nicht lange bleiben. Vielleicht ein, zwei Jahre, um das Geschäft für den US-Getränkehersteller Pepsi aufzubauen. „Es war noch der wilde Osten“, erzählt er. Es winkte die Herausforderung und eine schnelle Karriere.

Mittlerweile lebt Donnelly seit elf Jahren in Russland. Mit Getränken hat er schon länger nichts mehr zu tun. Der Ire hat stattdessen aus einem eher kleinen Autohaus einen der größten Neuwagenimporteure Russlands gemacht: die Rolf-Gruppe. Diese Woche stellt Donnelly das Unternehmen auf der Frankfurter Automobilmesse IAA vor.

Mit seinen alten Pepsi-Kollegen hatte er immer gescherzt: „Wer in Russland für 1,25 Dollar eine Flasche Wasser verkaufen kann, der kann alles verkaufen.“ Der Erfolg gibt ihm recht: Pro Schauraum verkauft die Rolf-Gruppe monatlich rund 300 Autos, ein Durchschnittshändler in Deutschland schafft gerade mal 17.

Der Konzern, in Russland Marktführer beim Verkauf ausländischer Fabrikate, wird in diesem Jahr 3,5 Milliarden Dollar umsetzen und einen Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen von 300 Millionen Dollar erzielen. Rolf ist weltweit der größte Mazda-Händler und Europas größter Mitsubishi-Vertrieb. Der japanische Konzern reserviert für Rolf Transportschiffe mit einer Kapazität von mehreren Tausend Wagen.

Zehn Automarken hat Rolf heute unter Vertrag – darunter Mercedes, Audi und seit neuestem Volkswagen. Der Markt, so schätzt Donnelly, werde dieses Jahr um fast 90 Prozent im Vergleich zu 2006 wachsen. Ernst & Young erwartet gar, dass in Russland 2010 so viele Autos verkauft werden wie in Deutschland.

Matt Donnelly sitzt in seinem kleinen, vollgestellten Büro über einem der Rolf-Autohäuser und spult die Marktdaten herunter. Die Arbeit mache ihm Spaß, sagt der 43-Jährige zwischendurch, und man sieht es ihm an. Er trägt ein gestreiftes Hemd, oben offen, Sportsakko und Jeans: Er könnte heute auch unten im Schauraum stehen und die Wagen verkaufen.

Gegründet hat das Unternehmen 1991 der ehemalige Offizier aus der Kunstflugstaffel der sowjetischen Luftwaffe, Sergej Petrow. Er ist heute noch alleiniger Eigentümer. Warum hat er seine Autoimportfirma „Rolf“ genannt? Donnelly muss lachen: „Das klingt so schön deutsch.“ Und damit wohl in russischen Ohren nach Zuverlässigkeit und guter Qualität.

Dennoch dauerte es einige Jahre, bis das Geschäft lief. „Die Leute hatten Sorge, dass die ausländischen Fabrikate in Russland nicht funktionieren“, erzählt Donnelly. Noch heute teilt der russische Autokäufer Marken in zwei Kategorien ein: die aus warmen und die aus kalten Ländern. Keine Frage, welche einen höheren Stellenwert genießen.

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