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Wiederkehr eines Überzeugungstäters bei der HRE

Mit einer Sanierung beginnt 1971 die Karriere von Bernd Thiemann bei der Kreissparkasse Meppen. Zwanzig Jahre später wird er als Sanierer an die Spitze der DG Bank geholt. Als diese nach ersten Erfolgen 2001 erneut zum Rettungsfall wird, erhält der Volljurist seinen bislang größten Karriere-Dämpfer. Nun braucht der 66-Jährige wieder Sanierungsexpertise - als Chefaufseher bei der Hypo Real Estate.

FRANKFURT. Bei seiner neuen Aufgabe zwischen Finanzgeschäft und Politik als Aufsichtratsvorsitzender bei Deutschlands Skandalbank Nummer eins dürfte Bernd Thiemann neben Sanierungsexpertise auch gute Kontakte und Fingerspitzengefühl benötigen. Gut verdrahtet ist der Kunstliebhaber, das gilt erst recht, wenn es um den Bankenrettungsfonds Soffin geht. Denn den leitet Hannes Rehm, der sein Berufsleben lang im Sparkassen- und Landesbankensektor arbeitete. Auch Thiemann gehörte 20 Jahre dem öffentlich-rechtlichen Bankenlager an, viele Jahre davon an der Spitze der NordLB. Mit Soffin-Mitglied Christopher Pleister verbindet Thiemann die Zeit bei der DG Bank: Pleister war lange Vorstand unter seiner Führung.

Auch Verhandlungsgeschick wird Thiemann zugebilligt. Einen „hervorragenden Schlichter“ nennt ihn einer, der ihn kennt. Menschen, die ihn schätzen, schildern ihn als engagiert. Berüchtigt dafür, extrem früh im Büro zu erscheinen. Geschätzt für eine offene Diskussionskultur. Geachtet für sein soziales Engagement. „Menschen führen und motivieren, das kann er“, heißt es.

Thiemann lässt sich dabei auch von seinem Wertegerüst leiten. Das pflegt der praktizierende Katholik, ein Mitglied des exklusiven Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, vor allem in der Guardini-Stiftung. Der Verein, benannt nach einem bedeutenden Religionsphilosophen, ist dem interkonfessionellen Dialog, dem Austausch von Kunst und Glaube verpflichtet. Dass eine dieser Eigenschaften die verbliebenen freien Aktionäre der HRE gnädig stimmen wird, ist dennoch unwahrscheinlich. Zu einer seiner ersten Aufgaben im neuen Job wird es gehören, die Hauptversammlung zu leiten, auf der im Herbst der Zwangsausschluss der Minderheitsaktionäre beschlossen werden soll. Es dürfte hoch her gehen an diesem Tag, Thiemann kennt so etwas schon. Als Aufsichtsratschef von EM.TV leitete er die emotional aufgeladene Hauptversammlung nach dem unrühmlichen Abgang des Gründers Thomas Haffa.

Thiemanns eigene Karriere zeigt Licht und Schatten: Im Sparkassenlager ist er der Senkrechtstarter, saniert als 28-Jähriger eine Sparkasse, wird mit 32 Jahren bei der NordLB der damals jüngste Vorstand einer Landesbank. Doch am Versuch, mehrere Landesbanken zusammenzuschweißen, beißt er sich die Zähne aus. Dann der Lagerwechsel: Die DG Bank gerät 1991 in eine Schieflage. Der alte Chef geht, mit Ulrich Brixner steht der neue Chef fast schon fest, doch auf der Zielgeraden einigen sich die Genossen plötzlich auf Thiemann, den Sparkassenmann. In Brixner hat er fortan einen Gegner, der auch mal Kapitalerhöhungen der DG Bank torpediert.

Dennoch agiert Thiemann zunächst erfolgreich. Vor Fehlern wie dem umfangreichen Engagement am Neuen Markt oder beim Medienmogul Leo Kirch bewahrt ihn das nicht. Die DG Bank stürzt in die nächste Krise, muss mit Brixners GZ zur heutigen DZ Bank fusionieren. Thiemann geht und tut es mit Humor: „Ich mache den Weg frei“, teilte er den Mitarbeiter mit, getreu dem Werbespruch der Volks- und Raiffeisenbanken. Humor in schwierigen Zeiten, vermutlich hilft das auch, wenn man die HRE zu stabilisieren sollen.

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