Im Sog eines Entführungsfalls
Reiseveranstalter Öger kämpft um seinen Ruf

Der Mann gilt in der deutschen Tourismusbranche als Shootingstar. Geschäftsfreunde bezeichnen ihn als loyal, ehrgeizig und geschickten Verhandlungspartner: Der deutsch-türkische Manager und SPD-Europa-Abgeordnete Vural Öger schmiedet innerhalb von vier Jahrzehnten den fünftgrößten Reiseveranstalter Deutschlands mit 4000 Mitarbeitern und 640 Millionen Euro Umsatz: die Hamburger Öger Tours.

HAMBURG. Doch nun muss der Vorzeigeunternehmer um seinen guten Ruf kämpfen. Denn der 63-Jährige wird seit einigen Tagen als Drahtzieher und Mitwisser bei der Entführung von Eray S. verdächtigt, Chef des Brüsseler Reisebüros Mediterra. Der türkisch-stämmige Mann wurde im September von mehreren maskierten Männern entführt. Seither ermittelt die belgische Polizei. Sie hat dabei auch einen Geschäftsmann aus Deutschland mit türkischer Herkunft im Visier. Doch den Namen des Verdächtigen verrät die Brüsseler Behörde nicht.

Aber diverse ausländische Medien vermuten, dass es sich hierbei um Öger selbst handelt. Der Grund: Das Entführungsopfer schuldet dem Wahlhamburger und Multimillionär aus alten Geschäftsbeziehungen rund 1,5 Millionen Euro. Gegenüber Nachrichtenagenturen bestätigte Öger die Kontakte und wies die Vorwürfe zurück.

Seither kommt er nicht mehr aus den Schlagzeilen. Doch der Mann mit den buschigen Augenbraunen und der stemmigen Statur hat bereits einige Krisen gemeistert. Dazu gehörte Anfang 1996 der Absturz der türkischen Fluggesellschaft Birgenair vor der Dominikanischen Republik, der 189 Menschenleben forderte. Der Billig-Charterer hatte damals Gäste von Öger geflogen.

Doch Vural Öger wies die Schuld von sich. Immer wieder erklärte er, dass Birgen Air für den Absturz der Boeing 757 verantwortlich war. Doch der spektakuläre Unfall brachte Öger unter massiven Druck. Viele Kunden blieben aus. Er zog daraufhin die Notbremse. Der Geschäftsmann wollte künftig keine Gäste mehr bei Billigairlines unterbringen, die wegen Sicherheitsmängel in den Medien immer häufiger in die Kritik gerieten. Er setzte nur noch seriöse Fluggesellschaften ein – darunter LTU und Areo Lloyd.

Um sein ramponiertes Images weiter aufzupolieren, gelang ihm ein weiterer Coup. Er beteiligte überraschend die renommierte Fluggesellschaft Condor mit rund zehn Prozent an Öger Tours. Damit wollte er seinen Ruf als Schmuddelkind der Branche endgültig ablegen. Condor gehört heute zu Thomas Cook, an der die Deutsche Lufthansa und die Essener Karstadt-Quelle AG beteiligt sind.

Eingestiegen ins Tourismusgeschäft war Öger 1965. Damals bot er zunächst Direktflüge von Hamburg in die Türkei an, um seinen Landsleuten kostengünstig den Besuch in die Heimat zu erleichtern. Schnell gewinnt er immer mehr deutsche Urlauber als Kunden. Das Unternehmen wächst kräftig. Auch um das Türkei-Geschäft voranzutreiben, engagiert er sich politisch. Mit seinem Mandat als Europa-Abgeordneter plädiert er für einen schnellen Beitritt der Türkei in die EU.

Fraglich ist, ob seine geschäftliche Glückssträhne nun ein Ende hat. Vural Öger will sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Eine Sprecherin von Öger Tours sagte gestern nur: „Es gibt keine Anzeichen, dass dadurch die Reisebuchungen zurückgehen.“

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