Image der Dax-Konzerne

Warum Winterkorn der große Gewinner ist

Eine neue Studie zeigt, wie gut oder schlecht die Dax-Konzerne in den Medien wegkommen. Vieles hängt dabei vom Geschick des Unternehmenschefs ab – einer von ihnen profitiert von einer echten Image-Rendite.
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Der VW-Manager kam in der Berichterstattung besonders gut weg. Quelle: dpa
Martin Winterkorn

Der VW-Manager kam in der Berichterstattung besonders gut weg.

(Foto: dpa)

DüsseldorfEs war zu erahnen, wer im Führungsstreit bei Volkswagen die Sympathien der Öffentlichkeit auf seiner Seite hatte. Jetzt ist es mit Daten untermauert: Über keinen deutschen Vorstandsvorsitzenden wurde im ersten Halbjahr 2015 mehr geschrieben und berichtet als über Martin Winterkorn. Und der Tenor der Porträts und Analysen über den Volkswagen-Chef war überwiegend positiv.

Ganz anders sieht es bei Ferdinand Piëch aus: Über keinen anderen Aufsichtsratschef eines Dax-Konzerns wurde mehr berichtet. Doch er kam in kaum einem Beitrag gut weg. Mittlerweile ist er zurückgetreten. Ein höheren Imageverlust als Piëch hatte im ersten Halbjahr nur der Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Dieses Bild zeichnen von dem Beratungsunternehmen Media Tenor erfasste Daten, die dem Handelsblatt vorliegen. Das Schweizer Unternehmen wertet die Berichterstattung über die Dax-Konzerne und deren Chefs in führenden Medien aus, darunter alle großen deutschen Tageszeitungen, Magazine und Nachrichtenformate von ARD und ZDF. Anschließend ermittelt Media Tenor daraus Imageveränderungen für die Unternehmen.

Größte Verlierer sind in dieser Analyse Deutsche Post, Deutsche Lufthansa und die Deutsche Bank. Ihre Imagewerte sind im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 deutlich gesunken. Bei der Post dominierten negative Berichte über die Tarifauseinandersetzung. Streiks spielten auch bei der Lufthansa eine Rolle, hinzu kam der Absturz der Germanwings-Maschine.

Die Gewinner in den Chef-Etagen – und die Verlierer
Deutsche Bank (Anshu Jain und Jürgen Fitschen)
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Kein anderes Dax-Unternehmen stand im ersten Halbjahr mehr in der Öffentlichkeit als die Deutsche Bank. Zugleich hatten die Berichte in den Medien ganz überwiegend einen negativen Tenor. Die Deutsche Bank büßte stark an Vertrauen ein. Einen stärkeren Imageverlust erlitt nur noch die...

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Deutsche Lufthansa (Carsten Spohr)
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Die Berichterstattung über die größte deutsche Fluggesellschaft war ganz überwiegend negativ, es dominierten die andauernden Tarifauseinandersetzungen mit den Piloten und der Absturz der Germanwings-Maschine. Lufthansa-Chef Carsten Spohr büßte an Reputation ein, wie die Daten von Media Tenor zeigen – ganz anders als der Top-Manager von...

Volkswagen (Martin Winterkorn)
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Martin Winterkorn hat sich beachtlich gut während der Führungskrise bei Volkswagen geschlagen. Er konnte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 sogar noch an Vertrauen gewinnen. Über VW wurde zwischen Januar und Ende Juni fast soviel berichtet wie über die Deutsche Bank. Weniger, aber dafür negativer geschrieben wurde über die...

Deutsche Post (Frank Appel)
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Das Logistikunternehmen stand vor allem wegen der Tarifauseinandersetzungen im Fokus der Öffentlichkeit, und die Berichte hatten durchweg einen negativen Touch. Die Post ist im Media-Tenor-Ranking der Dax-Konzern mit dem größten Imageverlust. Viel besser sieht es aus bei...

BMW (Norbert Reithofer)
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Der Premium-Autobauer gewinnt weiter beim Image hinzu. Bei BMW ist das eine konstante Entwicklung, die Münchener sind mit vielen positiv besetzten Themen in der Öffentlichkeit, sei es mit dem Elektroauto oder als attraktive Arbeitgebermarke. Auch der Konzernchef Nobert Reithofer genießt hohe Reputation, ähnlich wie der Chef von...

Daimler (Dieter Zetsche)
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Unternehmenschef Dieter Zetsche hat Daimler wieder nach vorn gebracht, das zeigt sich auch ganz deutlich in den durchweg positiven Berichten in den Medien. Bei einem anderen Dax-Konzern wartet man noch auf diesen Schub...

Siemens (Joe Kaeser)
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Konzernchef Joe Kaeser richtet den Münchener Konzern umfassend neu aus, das gewünschte Wachstum aber bleibt bislang aus. Die Medien begleiten ihn kritisch: Kaeser hat  – wie Siemens insgesamt – laut Media Tenor kräftig an Reputation eingebüßt. Immerhin punktet Siemens noch mit Innovationsthemen – anders als die...

Streiks und Unglücke sind Sonderereignisse. Doch Media-Tenor-Chef Roland Schatz sieht auch Fehler bei den Unternehmen. Firmen, die grundsätzlich wenig und zurückhaltend kommunizierten, hätten wenig Reputation bei den Medien und seien nicht mit positiven Themen im öffentlichen Diskurs vertreten. Geschickter agieren aus seiner Sicht dabei BMW, Daimler und Deutsche Telekom, die ihre Imagewerte deutlich steigern konnten.

Den Effekt beobachtet Schatz auch bei Winterkorn. Der VW-Chef habe sich über Jahre hinweg durch aktive Kommunikation das Vertrauen der Medien aufgebaut – das habe ihm im Konflikt mit Piëch geholfen. Kräftig zugelegt bei der Reputation haben Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges und Linde-Chef Wolfgang Büchele. Stark verloren haben hingegen Adidas-Chef Herbert Hainer und Eon-Chef Johannes Teyssen Schlusslichter in dem Ranking sind die jüngst ausgeschiedenen Deutsche-Bank-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain.

Bei den Aufsichtsratsvorsitzenden genießt Hasso Plattner den Daten zufolge das beste Image. Über Berthold Huber, den stellvertretenden Aufsichtsratschef von VW, wurde ebenfalls durchweg positiv berichtet – ihm kam seine ruhige Art während des Konflikts an der VW-Spitze zugute.

In vielen Fällen können Unternehmen eine eher negative Berichterstattung wenig beeinflussen, das gilt in Umbruchphasen mit Stellenabbau und noch mehr in Streiksituationen oder bei Unglücken. Allerdings unterschätzen aus Sicht von Media-Tenor-Chef Schatz viele Unternehmen, dass sie mit anderen Themen ein ausgewogenes Bild in der Öffentlichkeit schaffen können. Beispielsweise mit fortschrittlichen Personalstrategien und Forschungsthemen.

Das sind die Jobmotoren Europas
Wer legt das meiste Geld an?
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Wer stemmt die meisten neuen Investitionsprojekte und schafft die meisten neuen Jobs in Europa? Das untersucht die Unternehmensberatung EY mit ihrem European Investment Monitor. Dafür wertet sie sowohl ihre Datenbank über Investitionsprojekte als auch Unternehmensabgaben über geschaffene Stellen aus und erstellt darüber ein Ranking. Wer sind die Jobmotoren Europas? Die Analyse zeigt: Vor allem Deutsche Unternehmen beleben den Arbeitsmarkt, aber auch die Amerikaner ziehen mit.

Rang 10: Bosch
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Ein deutsches Unternehmen eröffnet die Top Ten der europäischen Jobmotoren: Bosch stellte in den vergangenen zehn Jahren in Europa insgesamt 10.042 Menschen ein. Für die EY-Analysten ergibt sich aus den starken Aktivitäten deutscher Firmen ein klares Fazit: Deutschland werde oft dafür kritisiert, dass es von der Krise profitiere und andere Staaten wie etwa Frankreich mit seiner starken Wirtschaftskraft klein halten wolle. Aber: „Deutsche Unternehmen haben aber im vergangenen Jahr in Europa fast viermal so viele Arbeitsplätze geschaffen wie französische Unternehmen.“

Rang 9: Renault
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Der französische Konzern, hier vertreten bei der Buenos Aires International Motor Show, schuf seit 2004 rund 11.250 neue Jobs in Europa, insgesamt brachten französische Unternehmen mit 7862 Stellen im vergangenen Jahr in Europa jedoch weniger neue Jobs als Japaner und Chinesen.

Rang 8: LG
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Der südkoreanische Konzern ist weltweit unterwegs und beschäftigt zurzeit mehr als 100.000 Mitarbeiter in 81 Niederlassungen. Nach eigenen Angaben ist LG weltweit der größte Hersteller von satellitenfähigen Handys, Klimageräten, Flach-TVs und Heimkinosystemen. In Europa schuf die Gruppe seit 2004 11.664 Jobs.

Rang 7: Airbus
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Weg vom Image als Rüstungsunternehmen, hin zum Flugzeug-Konzern: Vor knapp einem Jahr verpasste sich EADS mit Airbus den Namen der erfolgreichen Zivilluftfahrt-Sparte. Doch auch im Bereich Rüstung ist das Unternehmen erfolgreicher als viele andere. Der Konzern hat laut EY in den vergangenen zehn Jahren 13.629 Jobs in ganz Europa geschaffen– zuletzt unter Vorstandschef Thomas Enders (Bild).

Rang 6: Tata
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Auch ein Konzern aus Indien schafft Jobs in Europa: Tata. Hier lächelt Verwaltungsratschef Ratan Naval Tata beim Swiss Economic Forum in die Kameras. Tatsächlich ist seine Unternehmensgruppe auch in der Schweiz aktiv. Insgesamt hat Tata in den vergangenen Jahren recht ordentlich in Europa investiert und 14.445 Arbeitsplätze geschaffen. Der indische Automobil- und Schwerindustriekonzern ist schon seit 1907 auf dem Kontinent präsent, damals eröffnete das erste Büro in Großbritannien. Heute hat die Gruppe 19 Unternehmen mit insgesamt 45.000 Mitarbeitern allein im Vereinigten Königreich, doch auch in Spanien, Deutschland, Frankreich und eben in der Schweiz ist Tata mit Marken wie Jaguar, Landrover oder etwa Tata Hispano präsent.

Rang 5: Ford
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Ford kann nicht nur schnelle Rennwagen bauen, sondern landet auch auf dem fünften Rang der Jobmotoren in Europa: 14.682 neue Stellen hat der US-Autobauer seit 2004 geschaffen. Insgesamt investierten US-Firmen mit 1098 Projekten 2014 am häufigsten in Europa, noch vor deutschen Unternehmen (445). Durch die über Tausend US-Projekte entstanden der EY-Studie zufolge 53.449 Jobs.

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  • Ich frage mich nur, was für eine Art "Leistung" ein Investmentbanker schafft...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Dr. Winterkorn ist klasse. Der Typ weiß wie man Autos baut und seine besten Kunden glücklich macht. Dieser Mann hat Benzin im Blut und ein einzigartiges Produkt-Portfolio aufgebaut und unter Kontrolle.

    Habe als letztes in diesem Frühjahr den Lamborghini Aventatdor LP700-4 Roadster (nach nach über 5 Monaten Produktionszeit in Sant`Agata) ausgeliefert bekommen. Nachdem zuvor schon je ein R8 V10-Spyder und V10plus, 911 Carrera4S Cabrio und Cayenne Turbo in der Garage stehen. Und warte z.Zt. auf den neuen 911 GT3 RS für meine Rennstreckenambitionen. Beim Rest der Familie stehen noch div. Porsches und Bentleys im Fuhrpark.

    Alles hochwertige Qualität und exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis. Als hochqualifizierter Investmentbanker und Leistungsträger in Deutschland mit 6 bis 7-stelligen Beträgen im Jahr an den Fiskus muss man(n) sich auch was gönnen und Spaß haben beim Geld ausgeben, um sich damit immer wieder zu motivieren.

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