Imagepflege durch kostenlose Rechtsberatung nimmt zu
Deutsche Anwälte tun Gutes – und sprechen darüber

Sie gelten als Einzelkämpfer, Arbeitstiere und Moneymaker, die nur auf Umsatz getrimmt sind. Deutschlands Anwälte haben in der Öffentlichkeit nicht gerade den Ruf, Samariter zu sein. Doch was viele Bürger nicht wissen: Immer mehr Advokaten gehen dazu über, Gutes auch ohne Gebühren zu tun.

HB DÜSSELDORF. Pro Bono lautet das neudeutsche Wort für diesen Trend - ehrenamtliche Rechtsberatung gepaart mit sozialem Engagement. In Amerika ist es längst etabliert, "aber auch hier zu Lande hat Pro Bono deutlich zugenommen", sagt Markus Hauptmann, Frankfurter Partner der US-Law Firm White & Case.

Jüngster Beleg ist eine vor kurzem gestartete Initiative des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Der DAV hat sein Internetangebot für Mitglieder jetzt um eine Diskussions- und Informationsplattform zum Thema Pro Bono erweitert. "Viele unserer Mitglieder verbinden fachliche Exzellenz mit großem sozialem Engagement. Das möchten wir mit dem neuen Internet-Forum darstellen und fördern", begründet Rechtsanwalt Hartmut Kilger, Präsident des DAV, den Schritt.

Triebfeder für Pro Bono-Arbeit ist zumeist zweierlei: Zum einen steckt indirekt ein finanzielles Interesse dahinter - das Bedürfnis der Sozietäten nach Imagepflege. Immer mehr Kanzleien legen Wert darauf, nicht nur mit Wirtschaftskompetenz und großen Deals verbunden zu werden, sondern auch mit Werten wie sozialer Verantwortung und Mitgefühl. Auf der anderen Seite fühlt sich mancher Anwalt aber auch aus persönlichen Motiven dazu berufen, der Gesellschaft, in der es ihm gut geht, etwas zurückzugeben. "Pro Bono", sagt Stephen Ballew, Partner bei Hogan Hartson in München und Washington, "ist ein substanzieller ökonomischer Beitrag für das Gemeinwesen".

Beispiele gibt es mittlerweile zuhauf. So berät die deutsche Sektion der internationalen Kanzlei Lovells zurzeit das Projekt "streetfootballworld" - ein weltweites Forum für Straßenfußball. Parallel zur Fußball-WM 2006 findet in Deutschland ein entsprechendes Weltfestival statt. "Wir beraten etwa beim Merchandising, in Fragen des Urheberrechts sowie beim Sponsoring und der Vertragsgestaltung", sagt Michael Leistikow, Partner bei Lovells in Frankfurt.

Sport hat es auch Markus Hauptmann angetan. Er ist ehrenamtlicher Vorstand in der Nationalen Anti-Doping Agentur NADA, hilft dort kostenlos bei Rechtsproblemen. Die NADA hat zum Ziel, Kontrollen durchzuführen und Dopingfälle aufzudecken. "Ich war schon immer sportbegeistert und sehe den Sport als wichtige gesellschaftliche Vorbildfunktion", beschreibt Hauptmann seine Motivation.

Andere Sozietäten unterstützen die ganz Armen der Gesellschaft. Der Law Firm Freshfields Bruckhaus Deringer hat es die Selbsthilfeorganisation "Lebenshilfe", ein Verein für Familien mit schwerbehinderten Kindern, angetan. Gleiss Lutz erteilt TransFair kostenlosen Rechtsrat, dessen Ziel es ist, durch fairen Handel die Lebens- und Arbeitsbedingungen von benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu verbessern. Die Sozietät Latham & Watkins wiederum berät eine Institution, die Schulen für afghanische Flüchtlingskinder betreut, bei Jones Day greift man dem Special Olympics Deutschland e.V. unter die Arme.

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