Immer mehr Deutsche wechseln an die Spitze Schweizer Konzerne – nicht immer zur Freude der Eidgenossen
Invasion aus dem Norden

Ihm graut, sagt Martin Theurer, schon jetzt vor der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr. Dann nämlich, da ist sich der Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz sicher, werden die Eidgenossen ihrer Abneigung gegen den „großen Nachbarkanton“ wieder freien Lauf lassen. „Das Kollektiv in der Schweiz“ stellt Theurer mit einem Anflug von Gesellschaftskritik fest, „hätschelt seine Antipathie gegen die Deutschen.“

Was für das Kollektiv stimmt, hat jedoch im Einzelfall immer weniger Bedeutung. So wenig, dass das Schweizer Wochenmagazin „Weltwoche“ kürzlich sogar von der „Teutonenbombe“ sprach und darauf hinwies, dass Deutsche immer mehr Chefsessel und Lehrstühle in der Schweiz besetzen.

Nach der neuesten Erhebung des Migrationsamtes in Bern ist von den 1,5 Millionen Ausländern in der Schweiz jeder zehnte ein Deutscher. Und bei den Neuankömmlingen liegen die Deutschen sogar an der Spitze. Da wirkt sich die Personenfreizügigkeit aus, welche die Schweiz seit dem vergangenen Jahr von der EU übernommen hat. Allerdings haben die Autoren der „Teutonenbombe“ diese Masse nicht gemeint. Ihnen ging es um die „Luxusarbeiterklasse“, die sich mit ihrem „gusseisernen Charme“ unter den Eidgenossen breit macht.

Es geht um Urgesteine wie den ehemaligen Nestlé-Chef Helmut Maucher, der sich zum Vergnügen seiner Schweizer Zuhörer gerne als „hoffentlich bestbezahlter Gastarbeiter“ titulierte. Es geht um Originale wie den Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel, der gern als Schweizer Antwort auf Josef Ackermann bezeichnet wird: hier ein Deutscher an der Spitze einer Schweizer Großbank, dort ein Schweizer an der Spitze einer deutschen Großbank.

Während Ackermann jedoch eine Ausnahme ist, scharen sich um Grübel immer mehr deutsche Chefs: Jürgen Dormann eilte dem Industriekonzern ABB zur Hilfe, als der vor zwei Jahren im tiefsten Schlamassel steckte. Inzwischen geht es ABB besser, und Dormann hat sich auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten zurückgezogen. Er ist damit einer derjenigen, die in der Schweiz eine gute Performance hingelegt haben, was ihn einerseits ehrt, dem Komplex der Schweizer aber auf der anderen Seite neue Nahrung gibt.

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