Immer wenn ein Durchbruch bei Daimler geschafft zu sein schien, ging etwas Entscheidendes schief
Kleiner Empfang auf der Baustelle

Nach turbulenten Monaten gibt sich Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp zu seinem 60. Geburtstag bescheiden. Dennoch liebt Schrempp es, den Haudegen herauszukehren. Wie kaum ein anderer deutscher Top-Manager bedient der Badener mit seiner bisweilen aggressiven Hemdsärmeligkeit das Klischee des Machers.

FRANKFURT/M. Maritim-Hotel, Frankfurt im Herbst 2003. Trotz des Jetlags vom Rückflug aus China lässt sich Jürgen Schrempp im rauchfreien Tagungsraum des Frankfurter Nobel-Hotels sofort einen Aschenbecher bringen, bestellt ein Glas Wein – und zündet sich erst einmal eine Zigarette an. Der Daimler-Chrysler-Chef liebt es, den Haudegen herauszukehren. Wie kaum ein anderer deutscher Top-Manager bedient der Badener mit seiner bisweilen aggressiven Hemdsärmeligkeit das Klischee des Machers. Grau gebe es bei ihm nicht, sagte Schrempp einmal, nur Schwarz oder Weiß. Gewinnen oder verlieren. Im Zweifel gewinnen.

An diesem Mittwoch feiert er seinen 60. Geburtstag. Ganz untypisch für ihn, ohne viel Aufhebens, nur mit einem kleinen Empfang im Unternehmen. Vielleicht ist dem Spitzenmanager, der in zweiter Ehe mit seiner Büroleiterin Lydia Deininger verheiratet ist, nach turbulenten Monaten nach ein wenig Ruhe zumute. Denn wenn die beiden in ihrem Haus in Stuttgart-Degerloch bei einer Flasche Wein auf die jüngste Zeit zurückblicken, wird es nicht nur um Erfolge gehen.

Immer wenn ein Durchbruch bei Daimler geschafft zu sein schien, ging etwas Entscheidendes schief. So entpuppt sich der Fusionspartner Chrysler nach zwei positiven Jahren als Sanierungsfall. Die Beteiligung am LKW-Mautkonsortium Toll Collect entwickelt sich zur teuren Zuschussveranstaltung. Und kaum ist die Übernahme des profitablen japanischen LKW-Herstellers Fuso vollzogen, werden vom Vorbesitzer vertuschte Konstruktionsfehler bekannt, Ex-Manager verhaftet und das Unternehmen öffentlich an den Pranger gestellt.

Auch neun Jahre nach Schrempps Amtsantritt stellt sich der Stuttgarter Weltkonzern noch immer als riesige Baustelle dar: Der Glanz der 1998 eingefädelten Fusion mit dem US-Autobauer Chrysler ist verblasst, die Asienstrategie nach dem Rückzug beim japanischen Partner Mitsubishi Motors und der Aufkündigung der Allianz mit Hyundai misslungen, und der Aktienkurs kommt seit Jahren nicht aus dem Keller heraus. Dafür steckt Schrempp mit säuerlicher Miene im April die Prügel auch institutioneller Anleger ein. Trotzdem wird anschließend sein Vertrag verlängert, vorzeitig um drei weitere Jahre.

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