Immobilienrecht
Streit um den Tapetenwechsel

Im Frühling packt manchen die Lust auf neue Farben an der Wand. Doch nicht alle Tapezieraktionen verlaufen friedlich, immer wieder gibt es Zoff mit dem Vermieter oder dem Anstreicher.

Altrosa: Ein Mieter wollte Farbe in seine triste Behausung bringen und entschied sich, wie es später im Gerichtsprotokoll hieß, für "eine intensiv gestaltete altrosafarbene Mustertapete mit unterschiedlich glänzend erscheinender Oberfläche". Als der Farbenfreund später ausziehen wollte, kippte sein Vermieter aus den Latschen. Eine Wohnung mit derart bunten Wänden könne er nicht weitervermieten, monierte er und forderte eine "klassische" weiße Raufasertapete. Die Richter entschieden salomonisch: Grelle, glänzende Mustertapeten seien in der Tat unzumutbar, allerdings dürfe der Vermieter auch nicht auf einer "Raufaser weiß mit zwei deckenden Anstrichen" bestehen. Das weniger zeitraubende Anbringen von farblich unaufdringlichen Mustertapeten - ohne Anstrich - reiche aus (Landgericht Berlin, 65 S 224/06).

Sterne: Eine Familie hatte für das Kinderzimmer eine Tapete mit bunten Sternen auserkoren. Nach dem Auszug verlangte der Hausbesitzer deren Beseitigung, schließlich habe nicht jeder Nachmieter Kinder. Als sich der Familienvater stur stellte, ließ der Vermieter die Tapete auf eigene Kosten entfernen und stellte dem Ex-Mieter dafür 497,51 Euro in Rechnung. Vor Gericht erlitt er eine Bruchlandung. Das Anbringen von Kinderzimmertapeten sei "durchaus üblich" und gehöre zum "vertragsgemäßen Gebrauch" der Wohnung (Landgericht Frankfurt, 2-11 S 125/06).

Harry Potter: Berliner Mieter fuhren statt auf Sternchen auf Harry Potter ab und schmückten das Kinderzimmer mit dem Konterfei des Zauberlehrlings. Der Vermieter verlangte dafür Schadensersatz, scheiterte aber vor Gericht: Da die Mieter nach dem Einzug die gesamte Wohnung renoviert hätten und bereits eineinhalb Jahre später wieder ausgezogen seien, müssten sie nicht schon wieder tapezieren. Schließlich stelle die Harry-Potter-Tapete keine Schädigung der Wohnsubstanz dar (Landgericht Berlin, 62 S 87/05).

Schattenreich: Kaum war ein Häuslebauer eingezogen, verfärbten sich die weißen Raufasertapeten. Erst wurden sie hellgrau, später anthrazit - ein Phänomen, das Experten "Fogging" nennen. Die anschließende Klage des Bauherrn gegen den Malermeister war erfolgreich. Eine komplette Verfärbung bereits kurz nach dem Einzug müsse ein Auftraggeber nicht hinnehmen (Oberlandesgericht Celle, 14 U 192/03).

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