Immobilientycoon Paul Reichmann kämpft um Canary Wharf – mit Gottes Hilfe
Der Herr der Türme

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Paul Reichmann mitten in Verhandlungen für eine halbe Stunde schweigt. Dann sei es, als warte der 73-Jährige auf einen göttlichen Fingerzeig, sagen Banker.

LONDON. Denn der Immobilientycoon, der seine Familie mit Business-Parks in Kanada, Wolkenkratzern in Manhattan und der Londoner Bürostadt Canary Wharf zu den zehn reichsten der Welt gemacht hat, ist nicht nur ein streng orthodoxer Jude. Für ihn ist sein Erfolg nicht das Ergebnis seiner Arbeit: „Es war Gottes Wille, dass ich in diesem Ausmaß erfolgreich war.“

Jetzt könnte er wieder göttliche Hilfe brauchen. Reichmann kämpft erneut um sein Lebenswerk. Heute sollen die Aktionäre über das Schicksal der Bürowelt in dem alten Londoner Hafenviertel entscheiden. Sah es bis vergangene Woche so aus, dass ein Konsortium der Investmentbank Morgan Stanley die Skyline übernehmen werde, hat Taktiker Reichmann in letzter Sekunde einen Trumpf aus dem Ärmel gezaubert. Seine Gegenfront der Aktionäre soll den Plan von Morgan Stanley stoppen und eine eigene Offerte möglich machen. Ob dies gelingt, ist fraglich. Doch Reichmann gilt als schlauer Fuchs. „Er war immer besser als alle um ihn herum“, sagt ein Banker. „In 25 Jahren war er der genialste Mann, dem ich begegnet bin.“

Reichmann, 1930 in Wien geboren, floh mit der Familie vor den Nazis über Marokko bis nach Kanada. Seine Immobilienfirma Olympia & York wurde zur größten der Welt. Doch mit Canary Wharf übernahm er sich – 1992 brachen das Projekt und seine Firma zusammen.

Aber er gab nie auf. Mit Partnern kaufte er Canary Wharf für einen Spottpreis zurück und brachte die Firma 1999 mit Gewinn an die Börse. Mit der jüngsten Bankenkrise kam er unter Druck. Nun muss der ausgebildete Rabbi und fünffache Vater wieder hoffen – und beten.

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