Immofinanz-Chef tritt ab
Thomas Kleibl: Es kann nur einen geben

Und Servus! Thomas Kleibl, bis vor zwei Tagen noch gefeierter Sanierer beim angeschlagenen österreichischen Immobilienkonzern Immofinanz, streicht die Segel. Nicht einmal ein Jahr hat der ehemalige Finanzvorstand der österreichischen Fluglinie Austrian Airlines, die bald zum Reich der Lufthansa gehören könnte, damit an der Spitze ausgeharrt. Offen ist, ob das von Kleibl auch so geplant war.

WIEN. Nach seinem Abgang bei Immofinanz sei das nächste Ziel von Thomas Kleibl der Beraterposten bei einem Industriefonds in Schweden, heißt es. Ist der Manager an der Herkulesaufgabe gescheitert, fragen sich nicht nur die Wiener, sondern auch jene deutschen Institute, die bei der Immofinanz engagiert sind: die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) also, die WestLB auch, sowie die Commerzbank-Tochter Eurohypo.

Wer Kleibl fragt, erhält folgende offizielle, von keinem Zweifel angekratzte Antwort: Sein Engagement bei Immofinanz sei darauf angelegt gewesen, die Grundlagen für eine Restrukturierung zu schaffen. "Dies ist mir in kürzester Zeit vor allem aufgrund des Vertrauens der Banken in die Glaubwürdigkeit meiner Person gelungen."

Die inoffizielle Version geht wie so oft im Leben ein bisschen anders: Der kräftige, groß gewachsene Manager hat einen Nebenbuhler: Seinen Vorstandskollegen Eduard Zehetner, der nicht ganz zufällig einen Teil von Kleibls Aufgaben bis auf weiteres übernimmt. Er gilt genauso wie Kleibl als Alpha-Tier. Bisher ist er Herr der Finanzen. "Mit Eduard Zehetner gibt es einen zweiten starken Sanierer in der Gruppe", sagt Erste-Bank-Analyst Gernot Jany. "Die Sanierung", fügt er nicht ohne Erleichterung hinzu, "geht weiter." Auch die Erste Bank hat ein Interesse daran, weil sie mit anderen österreichischen und eben den deutschen Instituten zu den Geldgebern zählt.

Wer tiefer einsteigt, erfährt folgendes: Nächste Woche tagt der Aufsichtsrat der Immobiliengesellschaft. Möglicher Tagesordnungspunkt dabei ist die Fusion von Immofinanz und Immoeast, der Osttochter, in der jene Immobilienaktivitäten gebündelt sind, die das Unternehmen östlich von Wien betreibt. Zehetner ist nicht nur Finanzchef der ganzen Gruppe, sondern auch Vorstandschef der Immoeast. Zwei starke Typen kann ein Unternehmen auf Dauer aber schlecht vertragen. Kleibl jedenfalls geht und Zehetner bleibt. Er gilt als Mann der Banken und hat sich im Nachbarland einen Ruf als Sanierer des auf feuerfeste Materialien spezialisierten RHI-Konzerns erworben.

Falls ihm der neue Job an der Spitze wirklich zufällt, ist er nicht unbedingt zu beneiden. Bei der Immofinanz ist die Lage noch heikler als bei den meisten Konkurrenten in der Branche. Denn in Wien hat nicht nur die Finanz- und Konjunkturkrise zugeschlagen. Die Immofinanz hat ihre ganz eigenen Probleme: Der milliardenschwere Konzern war wegen zweifelhafter Geschäfte ins Gerede gekommen. Gegen das alte Management ermittelt der Staatsanwalt. Eine halbe Milliarde Euro ist sang- und klanglos verschwunden. Nach milliardenschweren Wertberichtigungen steht der Immobilienbestand aber immerhin noch mit sechs Mrd. Euro in den Büchern.

Die Anleger haben auf den Eingriff des Staatsanwalts dennoch mit einer Flucht aus der Aktie reagiert. An der Wiener Börse notiert das Papier mit weniger als einem Euro, zu den besten Zeiten waren es gut zwölf. Bei Bekanntgabe von Kleibls Rückzug gab es immerhin einen kleinen Hüpfer - Kleibls Selbstbewusstsein dürfte das allerdings nicht weiter angekratzt haben. oli/zel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
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Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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