Immofinanz
Der an roten Schuhen spart

Thomas Kleibl soll die angeschlagene Immofinanz AG auf Kurs bringen. In Wien eilt ihm der Ruf als harter Sanierer voraus. Die Immofinanz ist wegen zweifelhafter Gespräche ins Gerede gekommen, gegen das alte Management ermittelt der Staatsanwalt.

WIEN. Die Aufgabe ist nicht ganz einfach. Wer sich heute auf die Sanierung eines Immobilienkonzerns einlässt, sucht sich nicht gerade eine besonders gesunde Branche aus. Mit den Banken ist die Finanzierung größerer Neubauprojekte kaum noch möglich. Andere Investoren haben sich fast völlig zurückgezogen, jetzt sorgt die zunehmende Zahl der Pleiten unter gewerblichen Mietern für neue Probleme.

Thomas Kleibl hat sich trotzdem darauf eingelassen. Er versucht die Sanierung der Wiener Immofinanz AG, eines der größten Immobilienkonzerne in Europa. Dort ist die Lage noch prekärer als bei den meisten Konkurrenten. Denn in Wien hat nicht nur die Finanz- und Konjunkturkrise zugeschlagen. Die Immofinanz hat ihre ganz eigenen Probleme: Der milliardenschwere Konzern ist wegen zweifelhafter Geschäfte arg ins Gerede gekommen, gegen das alte Management ermittelt sogar der Staatsanwalt. Eine halbe Milliarde Euro ist sang- und klanglos im Unternehmen verschwunden. Die Anleger haben darauf mit einer Flucht aus der Aktie reagiert, an der Wiener Börse notiert das Papier mit weniger als einem Euro, zu den besten Zeiten waren es gut zwölf.

Was die Angelegenheit mit den Strafverfolgern angeht, dabei kann sich Kleibl beruhigt zurücklegen. Das betrifft allein seinen Vorgänger Karl Petrikovics. Aber als neuer Vorstandschef der Immofinanz bleibt ihm die Sanierung nicht erspart. In Wien wird dem kräftigen und groß gewachsenen Manager jedenfalls zugetraut, dass er die nötige Zugkraft zur Rettung der Immofinanz besitzt. Scheitert der 49-jährige Finanzfachmann, würde das Unternehmen ziemlich sicher in die Insolvenz schlittern.

Thomas Kleibl hat sich in Österreich einen Ruf als harter Sanierer erworben, vor allem während seiner sieben Jahre bei der halbstaatlichen Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA). Gewerkschaften und Betriebsräte mochten ihn dort überhaupt nicht - ihnen war der Sanierungskurs zu scharf. Als Anekdote wird noch heute in Wien erzählt, dass Kleibls Sparkurs dazu führte, dass es für das Bodenpersonal am Wiener Flughafen eine Zeitlang nicht mehr genügend Schuhe im klassischen AUA-Rot gab.

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