Immofinanz-Gruppe
Verwalter der Mega-Verluste

Eduard Zehetner soll die Wiener Immofinanz-Gruppe auf Kurs bringen. Keine leichte Aufgabe. Doch sein Ruf als konsequenter Sanierer eilt ihm voraus. Wie er das Unternehmen aus seiner äußerst heiklen Lage befreien will.

WIEN. Am Ende hat ihn das eigene Handy dann doch überlistet: Eduard Zehetner sieht nach, wer angerufen hat. Für einen Gastgeber ist das nicht gerade beispielhaft. Der Vorstandsvorsitzende der Wiener Immofinanz-Gruppe hat für einen kurzen Moment vergessen, dass er sich auf der Bilanzpressekonferenz seines eigenen Unternehmens vielleicht doch eher seinem Publikum und weniger dem Mobiltelefon widmen sollte.

Denn die Zahlen, die Zehetner am Mittwoch in Österreichs Hauptstadt präsentiert, haben es in sich: Immofinanz, einer der großen Spieler auf den europäischen Immobilienmarkt, hat im Ende April beendeten Geschäftsjahr mehr als drei Milliarden Euro Verlust geschrieben. Für die Wiener Börse ist das rekordverdächtig, das Immofinanz-Minus gilt als der größte Verlust, den ein börsennotiertes Unternehmen jemals in der Geschichte der Alpenrepublik geschrieben hat.

"Ein zweifelhafter Ruhm", kommentiert der 57-Jährige das Ergebnis. Der in Österreich als Sanierer bekannte Manager hat immerhin einen Vorteil. Er muss jetzt zwar das miserable Resultat verkünden, trägt dafür aber letztlich nicht die Verantwortung. Zehetner ist erst Ende vergangenen Jahres bei der Immofinanz-Gruppe eingestiegen.

Bei der Immofinanz ist die Lage noch heikler als bei den meisten Konkurrenten in der Branche. Denn in Wien hat nicht nur die Finanz- und Konjunkturkrise zugeschlagen. Die Immofinanz hat ihre ganz eigenen Probleme: Der milliardenschwere Konzern war wegen zweifelhafter Geschäfte ins Gerede gekommen. Gegen das alte Management ermittelt der Staatsanwalt. Eine halbe Milliarde Euro ist sang- und klanglos verschwunden. Für den gewaltigen Verlust in der Jahresbilanz sind milliardenschwere Wertberichtigungen auf den Immobilienbestand verantwortlich.

Die Aktionäre sind die größten Opfer. Zu seinen besten Zeiten notierte das Immobilien-Papier an der Wiener Börse mit zwölf Euro. Der Aufschwung seit dem Frühjahr hat immerhin dafür gesorgt, dass die Aktie wieder deutlich über einem Euro gehandelt wird. Mit im Boot sitzen die drei großen österreichischen Geschäftsbanken Bank Austria, Raiffeisen und Erste Bank. Aus Deutschland sind die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die WestLB und die Commerzbank-Tochter Eurohypo dabei.

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