Implantate
Wie Richter Dentisten auf den Zahn fühlen

Lücken im Gebiss werden immer häufiger durch schicke - und kostspielige - Implantate gefüllt. Sind die Patienten nicht zufrieden, fühlen die Richter dem Dentisten auf den Zahn.

Blindes Vertrauen: Ein Zahnarzt behauptete, die private Krankenkasse würde Implantate komplett bezahlen. Der Patient willigte daraufhin ein, sofort mit der Behandlung zu beginnen. Wenig später bekam er Post von seiner Assekuranz: Da die Implantate zu teuer seien, bekomme er nur die Hälfte erstattet. Der Patient weigerte sich, die zweite Hälfte aus eigener Tasche zu zahlen: Sein Dentist habe ihm die volle Erstattung versprochen. Dieser zog daraufhin vor Gericht - und bekam statt der geforderten Hälfte der Rechnungssumme nur ein Viertel. Begründung der Richter: Einerseits dürfe ein Dentist nicht "ins Blaue hinein" von Erstattungen fabulieren, andererseits dürfe ein Patient seinem Arzt nicht blind vertrauen und vor einer Bestätigung der Assekuranz grünes Licht geben. Da beide eine Mitschuld trügen, müsse jeder eine Hälfte der strittigen Summe zahlen (Oberlandesgericht Köln, 5 U 144/04).

Tierische Knochen: Eine Zahnfleischerkrankung hatte einen Schwaben bereits mehrere Zähne gekostet. Um die Lücken durch Implantate schließen zu können, musste der geschrumpfte Kieferknochen zunächst mit "Aufbaumaterial" präpariert werden. Der Mediziner erwähnte am Rande, es handele sich um Füllstoffe "boviner Herkunft". Erst hinterher erfuhr der von Schmerzen geplagte Patient, dass damit Material aus Rinderknochen gemeint war und dass auch eine Behandlung mit Knochenmaterial aus dem eigenen Becken möglich gewesen wäre. Erbost forderte er 5 000 Euro Schmerzensgeld - mit Erfolg: Wenn es "mehrere medizinisch gleichermaßen indizierte Behandlungsmöglichkeiten mit wesentlich unterschiedlichen Risiken und Erfolgsaussichten" gebe, müsse der Arzt den Patienten darüber aufklären. Tue er dies nicht, hafte er für aus dem Eingriff resultierende Schmerzen (Oberlandesgericht Stuttgart, 1 U 25/05).

Goldener Standard: Ein Zahnarzt wählte eine überholte Methode der Implantatverankerung und ließ eine modernere, in der Fachwelt als "Golden Standard" bezeichnete Methode unerwähnt. Auch hier sprachen die Richter dem Patienten Schmerzensgeld zu: Wenn Ärzte eine "ältere" und "risikobehaftetere" Methode anwendeten, müssten sie vorher über Alternativen aufklären (Oberlandesgericht Stuttgart, 14 U 74/00).

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