In kritischen Situationen können Investoren für Unternehmen die Rettung sein
Wenn Heuschrecken helfen

Manche Unternehmen würde ohne Finanzinvestoren schon nicht mehr existieren: So wie Format Tresorbau aus Lichtenau. „An einem Freitag im März 2003 haben wir den Vertrag unterschrieben – sonst hätte die Firma am Montag darauf Insolvenz anmelden müssen“, erinnert sich Michael Keinert, heute Chef von Format. „Und dann hätten 150 Arbeitsplätze auf dem Spiel gestanden“.

HB DÜSSELDORF. Durch den Vertrag wurde die DIC Deutsche Investment Capital aus Düsseldorf Inhaber von Format. Dahinter steckt der Investor Walter Droege, der sich auf Krisenkandidaten konzentriert. DIC wechselte die Führungsriege aus und setzte Michael Keinert als eigenen Mann an die Spitze. Schwere Managementfehler hatte Format in Schwierigkeiten gebracht. Substanz und Perspektive des Unternehmens hält Keinert aber für hervorragend. „Hochwertige Tresore brauchen für jedes Land eine eigene Zulassung. Format besitzt die meisten internationalen Zertifikate. Den Vorsprung kann keiner so leicht aufholen. Und der Kundenstamm ist treu.“ Um den nicht zu verprellen, wollte der Investor mit dem Einstieg nicht bis zur Insolvenz warten – selbst wenn das den Preis gesenkt hätte.

Statt hier zu Lande Arbeitsplätze abzubauen, hat Format nun seine Tochterfirma in Polen geschlossen und 30 Jobs zurückgeholt nach Hessen. Zwar waren im Osten die Löhne billig, aber steigende Spritpreise und die neue Mautgebühr hatten den Transport drastisch verteuert. Deshalb baute Format in Hessen eine Fertigungsstraße, die für niedrige Lohnstückkosten, kurze Lieferfristen und Top-Qualität sorgt.

Klaus-Peter Gushurst, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton urteilt: In den Fällen das Management auszutauschen, ist normal. „Fast alle Investoren haben einen Pool von Leuten, die dann für einige Jahre die Verantwortung übernehmen können“, weiß Gushurst.

Manchmal beteiligt sich der Investor aber gerade deshalb, weil er von der Führungscrew überzeugt ist. So war es beim Entsorger Sulo in Herford. Der Firmengründer wollte aussteigen, die Erben waren uneins. Gesucht wurde ein Partner, der in die Strukturen investiert und die Unabhängigkeit sicherstellt. Letztlich kauften die Branchenriesen Apax und Blackstone je 45 Prozent. Zehn Prozent hält Jürgen Rauen, der vorher wie nach dem Deal Vorsitzender der Geschäftsführung ist. Das gemeinsame Ziel: Sulo soll mit seinen 6 000 Mitarbeitern ein führender Anbieter werden und auch durch Zukäufe wachsen, erzählt Peter Blumenwitz von Apax.

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