In London glänzt die zweite Reihe als Spitzenverdiener
Die World Player sind nicht die profitabelsten

Post-Gelb leuchtete die Leinwand, als Klaus Zumwinkel im Herzen der Londoner City die Hand von Exel-Chef John Allan schüttelte.

LONDON. Auch der Herrscher des Bonner Konzerns strahlte, denn der Kauf des britischen Unternehmens im September krönte die globale Einkaufstour, mit der er aus einer verkrusteten Behörde den größten Logistikkonzern der Welt geformt hat. Unter den Geburtshelfern beim "Projekt Falcon", der bis dato teuersten Übernahme der Deutschen Post, war auch eine Spitzenadresse der Londoner Anwaltsszene: Slaughter and May beriet Exel - zusammen mit der deutschen Kanzlei Hengeler Mueller. Das zeigt einmal mehr, dass kein Anwaltsweltkonzern nötig ist, um Mandate bei internationalen Fusionen zu ergattern.

"Wir bekommen Mandate für grenzüberschreitende große Transaktionen, weil wir als unabhängige Kanzlei hohe Qualität liefern", ist David Frank, Partner bei Slaughter and May, überzeugt. Sein Credo: Ein Kooperationsnetz erstklassiger unabhängiger Kanzleien in verschiedenen Ländern ist dem Modell der internationalen Anwaltsfirma überlegen. Denn sie biete dem Klienten in jedem Land die bestmögliche Beratung. "Die Internationalisierung hat sich für die großen Kanzleien nicht ausgezahlt", glaubt Frank. Der US-Markt werde nach wie vor von unabhängigen Firmen dominiert.

Dass eigenständige, rein nationale Kanzleien oft finanziell besser abschneiden, zeigen die Ranglisten des Fachmagazins "The Lawyer". Unter den Londoner Top-Anwaltsfirmen liegt Slaughter and May mit einem Gewinn von im Schnitt 1,05 Millionen Pfund (rund 1,5 Millionen Euro) je Teilhaber im abgelaufenen Geschäftsjahr klar an der Spitze. Auf Rang Zwei folgt die internationale Kanzlei Linklaters - die wie auch Cleary Gottlieb die Deutsche Post beim Exel-Deal beriet - mit 843 000 Pfund als mit Abstand profitabelste unter den Top vier des "Magic Circle".

"Die Internationalisierung hat die Spitzengruppe zwar nach Umsatz weit entrückt, die Profitabilität aber hat nicht Schritt halten können", so das Fazit von Catrin Griffiths, Chefredakteurin vom Fachblatt "The Lawyer". Der Grund: Die Steuerung eines internationalen Anwaltskonzerns bringt enorme Kosten etwa für IT. "Wir müssen weiter in unser internationales Netz investieren - das brauchen die mittelgroßen nationalen Kanzleien nicht", bestätigt David Harris, Partner von Lovells, der Nummer Fünf unter den Londoner Kanzleien. Dennoch ist er überzeugt, dass es sich auszahlen wird, weltweit vertreten zu sein. "Als internationale Anwaltsfirma können wir besser um hochwertige Arbeit konkurrieren", betont er. Und das Wachstumspotenzial liege nun mal im grenzübergreifenden Geschäft.

Hohe Reibungsverluste müssten in globalen Anwaltsfirmen keineswegs auftreten, meint Harris. Lovells vereinfacht - wo immer möglich - die Managementstrukturen. "Ich will sicherstellen, dass uns Bürokratie nicht behindert und wir so unternehmerisch wie möglich bleiben."

Während Finanz- und Personalchefs bei vielen Anwaltsfirmen heute zur Grundausstattung gehören, verzichtet Slaughter and May darauf. "Das ist kein sehr kompliziertes Geschäft, also brauchen wir auch keine Manager", befindet David Frank.

Ob internationaler Anwaltskonzern oder rein nationale Kanzlei mit Kooperationsnetz - beide Seiten glauben nicht daran, dass sich der weltweite Anwaltsmarkt auf ein paar wenige Große konzentrieren wird. "Ich kann nicht sehen, dass wir den Weg der Wirtschaftsprüfer gehen", meint Harris von Lovells. Diese verwandte Branche wird inzwischen von vier Anbietern dominiert. "Vor fünf Jahren gab es einmal diese Gefahr", räumt Frank ein. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Während Wirtschaftsprüfer weltweit die gleichen Dienste anbieten, sind die Rechtssysteme dafür einfach zu unterschiedlich.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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