Indiderverdacht
Eine Tortur für die ganze Familie

Wenn Topmanager mit Aktien handeln, riskieren sie nicht nur, Geld zu verlieren, sondern auch ihren guten Ruf. Wegen ihrer Kontakte in die Wirtschaft geraten sie schnell in den Verdacht, dass sie ihr Insiderwissen ausgenutzt haben.

Die Schlagzeilen trafen ihn schwer. Der Vorwurf: Der Top-Manager sollte Insider-Informationen zum eigenen Vorteil ausgenutzt haben. Die Fakten: Er hatte eine größere Summe in Aktien eines Unternehmens investiert, das wenige Tage später übernommen wurde – worauf die Kurse in die Höhe schnellten. Das Pikante daran: Ein entfernter Neffe des Managers hatte als Banker die Fusion betreut. Prompt vermuteten die Fahnder der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die beiden Verwandten hätten gemeinsame Sache gemacht.

Wie die Beamten darauf kamen? Die Banken melden der BaFin – anonym – alle Aktienkäufe und -verkäufe. Kommt es zu Gewinnwarnungen, Firmenzusammenkäufen oder Massenentlassungen, sucht die BaFin nach auffälligen Deals und gleicht dann die Namen der Konteninhaber mit den Insiderlisten ab, die die Unternehmen parat halten müssen. Auf denen stehen nicht nur die eigenen Manager samt Sekretärinnen , sondern auch die Banker, die Anwälte und die Unternehmensberater. „Der Manager konnte am Ende belegen, dass sein Neffe ihm nichts von der Übernahme erzählt hatte und sich rehabilitieren“, berichtet der Anwalt einer deutschen Großkanzlei, der den Fall betreute. Doch die monatelangen Ermittlungen und die Verdächtigungen in der Presse waren eine Tortur für die ganze Familie.

Wenn Topmanager mit Aktien handeln, riskieren sie nicht nur, Geld zu verlieren, sondern auch ihren guten Ruf. Wegen ihrer Kontakte in die Wirtschaft geraten sie schnell in den Verdacht, dass sie ihr Insiderwissen ausgenutzt haben – und das nicht nur, wenn es sich um die Aktien ihres eigenen Unternehmens handelt.

Im Oktober 2004 wurden die Spielregeln für Insider verschärft. Früher mussten die Aufsichtsbehörden Managern nachweisen, dass sie vorsätzlich geheime, kursrelevante Informationen ausgenutzt hatten, um Gewinne einzustreichen oder Verluste zu vermeiden. „Heute machen sich Vorstände schon dann strafbar, wenn sie über Insider-Informationen verfügen und mit diesem Wissen private Geschäfte mit Wertpapieren ihres Unternehmens tätigen“, erklärt Gerald Reger, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz. „Sie dürfen auf eine Information mit Handelsgeschäften erst dann reagieren, wenn sie auch öffentlich bekannt ist.“ Andernfalls drohen ihnen – werden sie verurteilt – bis zu fünf Jahre Haft.

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