Indien
Maharadschas fürchten um ihr Reich

Sie waren die bewunderten Aufsteiger im illustren Klub der Milliardäre: Doch so sehr Indiens Tycoone vom Boom der vergangenen Jahre profitierten, so hart treffen sie jetzt globale Rezession, Kreditklemme und Börsencrash. Denn viele haben die Expansion ihrer Unternehmen überwiegend auf Pump finanziert. Jetzt stehen Imperien auf der Kippe.

NEU-DELHI. Die Liste der Gebeutelten liest sich wie das Who is who von Indiens Superreichen. Sie reicht von Stahlmagnat Lakshmi Mittal über den Mischkonzern Tata mit der Unternehmerikone Ratan Tata an der Spitze bis hin zum Windenergieanlagenbauer Suzlon des Milliardärs Tulsi Tanti, vom Biermagnaten und Airline-Eigentümer Vijay Mallya zu Multimilliardär Kashal Pal Singh, dem Indiens größter Immobilienkonzern DLF gehört. "Ich rechne mit einer Welle von Beteiligungsverkäufen indischer Unternehmen in den nächsten Jahren", sagte Ashok Wadhwa, Chef der Investmentberatung Ambit Corporate Finance in Bombay, dem Handelsblatt.

Den größten Wertverlust in absoluten Zahlen muss nach aktuellen Schätzungen des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" vom Februar der in London lebende Lakshmi Mittal hinnehmen. Die Stahlkrise hat das Vermögen des Mehrheitseigners und Chefs von Branchenführer ArcelorMittal laut Forbes binnen Jahresfrist von 45 auf 13,2 Mrd. Dollar reduziert. Doch während es sich bei Mittal vor allem um Buchverluste wegen des dramatischen Einbruchs der Aktienkurse handelt, bezahlen manche Milliardärskollegen jetzt teuer für ihre kreditfinanzierte Einkaufstour.

So hat Tantis Unternehmen Suzlon Energy, weltweit die Nummer fünf im Windenergieanlagenbau, bereits zehn Prozent an dem 2006 mehrheitlich erworbenen belgischen Getriebebauer Hansen wieder verkauft. Weitere Verkäufe bei Hansen könnten folgen, kündigte Suzlon vergangene Woche an. Tanti braucht Geld für die 2007 begonnene Übernahme des deutschen Konkurrenten Repower. Bis Mai muss Suzlon weitere Repower-Aktien für 200 Mill. Euro kaufen. Nachdem eine Kapitalerhöhung bei Suzlon platzte, verhandele Tanti jetzt mit den US-Finanzinvestoren Carlyle und TPG über den Verkauf eines Anteils an seiner Holding, berichten indische Zeitungen. Suzlon äußerte sich nicht zu den Berichten.

Die Wirtschaftskrise habe Tanti 91 Prozent seines Vermögens gekostet, schätzt "Forbes". Bei Immobilienmagnat Singh, den der Börsengang seines Unternehmens DLF auf Platz acht der reichsten Menschen der Welt katapultiert hatte, dürfte der Vermögensverlust mindestens 80 Prozent betragen. Auch Singh verhandelt mit Finanzinvestoren über den Notverkauf eines Aktienpakets.

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