Indischer Stahlmogul Lakshmi Mittal
Gezieltes Störmanöver

Noch sind es wenig mehr als Spekulationen, aber sie reichen, um die Kurse zu bewegen. Nach Informationen der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“ soll der indische Multimilliardär Lakshmi Mittal darüber nachdenken, sich in den Übernahmekampf um den britisch-australischen Rohstoffkonzern Rio Tinto einzumischen.

DÜSSELDORF/LONDON. Mittal, Hauptaktionär und Vorstandschef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal, geht es offenbar darum, sich den Zugang zu weiteren Eisenerz-Lieferungen zu sichern. Denn der wichtigste Rohstoff der Stahlproduktion hat sich in den vergangenen Jahren drastisch verteuert.

Davon ist der Branchenprimus jedoch weniger betroffen als viele seiner Konkurrenten. Denn Mittal hat in den vergangenen Jahren seine Rohstoffbasis gestärkt und sich rund um den Globus in Kohlebergwerke und Erzminen eingekauft. Den Bedarf an Kokskohle kann Arcelor-Mittal schon heute zu zwölf Prozent aus eigenen Quellen decken. Bei Eisenerz beträgt der Selbstversorgungsgrad sogar 45 Prozent. Gestern stockte der Konzern seinen Anteil an der australischen Kokskohlemine Macarthur auf knapp 20 Prozent auf, vor kurzem hatte Mittal für 650 Mill. Dollar in bar zwei Kohleminen vom russischen Konkurrenten Severstal übernommen.

Arcelor-Mittal hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2012 drei Viertel seines Eisenerzbedarfs aus eigenen Minen zu decken. Dafür sollen insgesamt fünf Mrd. Dollar investiert werden, schwerpunktmäßig in den afrikanischen Staaten Liberia und Senegal.

Ein Einstieg bei Rio Tinto freilich wäre erheblich teurer. Allerdings sollen die Überlegungen sich noch in einem sehr frühen Stadium befinden. Der Inder könnte beispielsweise versuchen, von den bisherigen Rio-Aktionären einen Anteil zu übernehmen. Es sei aber auch denkbar, dass Mittal einfach abwartet, bis Rio Tinto nach einer Übernahme einen Teil seiner Rohstoffvorkommen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abgeben muss. Die Spekulationen um den Mittal-Einstieg reichten, um den Kurs von Rio Tinto um 2,5 Prozent anzutreiben.

Rio Tinto wird derzeit vom Wettbewerber BHP Billiton mit einem 170 Mrd. Dollar schweren feindlichen Übernahmeangebot bedroht. Ein Zusammenschluss der beiden großen Bergbaukonzerne, die vor allem Eisenerz fördern, wird in der Stahlindustrie aber sehr skeptisch gesehen. Selbst der marktmächtige Mittal-Konzern, der fast viermal größer ist als der nächste Konkurrent, fürchtet ein Preisdiktat: Zusammen würden BHP Billiton und Rio Tinto fast 40 Prozent des weltweiten Erzhandels kontrollieren.

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