Industrie
„Wegbereiter des Osthandels“ Otto Wolff von Amerongen gestorben

Otto Wolff von Amerongen, der „Wegbereiter des Osthandels“, ist am Donnerstag in seiner Heimatstadt Köln gestorben. Das bestätigte die Kölner Industrie- und Handelskammer. Wolff, der 88 Jahre alt wurde, war seit Jahren krank. Woran er starb, wollte die Familie zunächst nicht mitteilen.

dpa KöLN. Otto Wolff von Amerongen, der „Wegbereiter des Osthandels“, ist am Donnerstag in seiner Heimatstadt Köln gestorben. Das bestätigte die Kölner Industrie- und Handelskammer. Wolff, der 88 Jahre alt wurde, war seit Jahren krank. Woran er starb, wollte die Familie zunächst nicht mitteilen.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte Wolff als „Brückenbauer zwischen Ost und West, der getreu der Devise "Wandel durch Handel" maßgeblich zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas beitrug“. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (Dihk), Ludwig Georg Braun, bezeichnete Wolff als einen „Wirtschaftsdiplomaten mit Herz“.

Als während des Kalten Krieges noch die meisten westdeutschen Unternehmer vor Geschäften mit den kommunistischen Ländern des Ostens zurückschreckten, knüpfte der rheinische Industrielle bereits vielfältige Kontakte. Dadurch entwickelte er sich in den 50er Jahren zu einem gefragten Ansprechpartner für die Adenauer-Regierung. Sowohl an der Vorbereitung des ersten deutsch-sowjetischen Handelsvertrags als auch am Abschluss des ersten Handelsvertrags mit der Volksrepublik China war er beteiligt.

1969 wurde Wolff Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages und blieb es nahezu 20 Jahre lang. Die Geschicke des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft lenkte er fast ein halbes Jahrhundert lang, bis 2000. Ein Schwerpunkt galt den deutsch- russischen Beziehungen. Beim Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow brachte ihm dies gar die Bezeichnung „ältester Pionier der Arbeitsbrigade Deutschland/Sowjetunion“ ein.

Als größten Erfolg, zu dem er beigetragen hatte, wertete Wolff die Wiederherstellung der Osthandelsbeziehungen für Deutschland vor und nach der Wende von 1989/90. Aber er wurde auch als erster Deutscher in den Aufsichtsrat des US-Ölkonzerns Exxon berufen. Insgesamt gehörte er während seiner beruflichen Karriere etwa 40 Aufsichtsräten oder Beiräten an. Der Kölner Verleger Alfred Neven Dumont beschrieb ihn am Freitag als „weltmännisch“ und „souverän, für Köln eine außerordentliche Erscheinung, die völlig aus dem Rahmen fiel“.

Ende der 80er Jahre bekam sein Ruf als Unternehmer aber auch ein paar Kratzer. Die 1983 von der Otto Wolff AG mehrheitlich übernommene PHB Weserhütte AG musste 1987 mit Verlusten von mehr als 200 Mill. DM Vergleich anmelden und ging am Ende in den Konkurs. Als weiterer Missgriff wurde Wolff der Kauf eines veralteten Stahlwerkes im US-Bundesstaat Texas vorgehalten, der das Unternehmen 270 Mill. DM kostete. 1990 übernahm die Düsseldorfer Thyssen AG 100 Prozent der Otto Wolff AG. Schon 1986 hatte er den Vorstandsvorsitz an seinen damaligen Schwiegersohn Arend Oetker abgegeben.

Seine letzten Jahre wurden zudem von Berichten über Verstrickungen seines Unternehmens während der Nazizeit überschattet. Die Eisenhandelsfirma - die seit 1940 von ihm selbst geführt wurde - soll dabei Aktien, Gold und andere Werte aus dem Vermögen deportierter Juden im Auftrag der Nazis verkauft haben. Von 1945 bis 1947 war Wolff interniert.

Der Regisseur Gerhard Friedl beleuchtete 2006 in einem mehrfach ausgezeichneten Kinofilm mit dem Titel „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“ seine Rolle bei einigen Firmenzusammenbrüchen. Wolff von Amerongen selbst hatte sich zu dieser Zeit schon ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

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