Ines Kolmsee
Einzige Dax-Chefin will weiter expandieren

Ines Kolmsee ist die einzige Vorstandschefin eines Dax-Konzerns. Ihren Ruf als "Ausnahmeerscheinung" rechtfertigt die 41-jährige Ingenieurin mit harter Arbeit und einer guten Bilanz. VON TANJA KEWES.
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MünchenIhre Bilanz kann sich sehen lassen, und deshalb zeigt sie diese auch. "Ich habe meine drei Versprechen erfüllt, ich kann heute Vollzug melden", verkündete Ines Kolmsee, Vorstandsvorsitzende der SKW Metallurgie, am Mittwoch auf ihrer Hauptversammlung im Haus der Bayerischen Wirtschaft. Alle strategischen Ziele, die im Prospekt für den Börsengang von SKW im Jahr 2006 gesteckt wurden, hat sie erreicht: Der im SDax notierte Spezialchemiekonzern hat neue Produkte entwickelt, eigene Werke aufgebaut und ist international expandiert.

Die 41-Jährige ist die einzige Vorstandschefin eines Dax-Konzerns und laut Personalberater Heiner Thorborg "eine Ausnahmeerscheinung, und zwar nicht nur, weil sie ein Frau ist". Ihre gute Bilanz und Alleinstellung ist das Ergebnis harter Arbeit gegen viele Widerstände.

Die Ingenieurin mit MBA der französischen Eliteuniversität Insead kam im Jahr 2004 nach Stationen bei der Beratung A.T. Kearney und dem Elektronikkonzern Ericsson über die Beteiligungsgesellschaft Arques zu SKW. Die frühere Tochter des Degussa-Konzerns galt als Sanierungsfall. Die Ingenieurin mit Management-Erfahrung und bestem Französisch war die ideale Kandidatin für den Chefposten.

Ihr Auftrag von Arques: Restrukturierung und dann Börsengang. "Für mich war das der beste Absprung aus der Beteiligungsbranche", sagt sie. Die dreiwöchige Roadshow für den Börsengang machte sie selbst - hochschwanger mit dem zweiten Kind. Und auch der Absprung der Geschäftsbank drei Wochen vor der Erstnotierung brachte sie nicht vom Kurs ab.

Ihr Einsatz hat sich gelohnt. Weder Wirtschaftskrise noch Altlasten wie die Auseinandersetzungen mit den früheren Eigentümern von Arques hielten sie auf. Aus 160 Millionen Euro Umsatz und 220 Mitarbeitern im Jahr 2004 sind 380 Millionen Euro und über 1.000 Mitarbeiter geworden. Die Zahlen für 2010 sind glänzend. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 29 Millionen Euro. "Frau Kolmsee hat SKW unabhängig von Degussa und Arques gemacht. Der Konzern ist heute ein sehr gut aufgestellter Nischenplayer", sagt Stefan Röhle, Analyst von Independent Research. Auch Andreas Breijs von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ist "voll des Lobes".

Und das soll erst die Grundlage sein. Kolmsee ist auch im siebten Jahr und trotz zweier Aufsichtsratsmandate bei Fuchs Petrolub und Umicore nicht amtsmüde, ganz im Gegenteil. Nach den Werken in Bhutan, Schweden und Russland will sie dieses Jahr auch noch in Brasilien eine neue Produktionsstätte eröffnen. "Wir sind schon weit gekommen, stehen aber noch am Anfang unserer Möglichkeiten", sagt Kolmsee. Mittelfristiges Ziel ist, dass die neuen Werke bis 2012 deutlich positive Ergebnisbeiträge liefern. Nur mit einem ist Kolmsee unzufrieden: Der Aktienkurs ist ihr viel zu niedrig.


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