Infineon
Der unterschätzte Manager ist am Ziel

Infineon spaltet zum 1. Juli 2006 seine Speicherchip-Sparte ab; der Aufsichtsrat stimmte dem am Donnerstag zu. Ausgeheckt hat die Pläne Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Von Kritikern als Zauderer verspottet, erweist sich der bescheidene Mann als Retter in der Not.

MÜNCHEN. Die anderen Passagiere würdigen den unscheinbaren Mann, Typ Buchhalter mit grauem Haar, grauem Anzug, weißem Hemd und randloser Brille keines Blickes. Dass dieser unauffällige Mittfünfziger mit der blauen Krawatte Chef des siebtgrößten Chipherstellers der Erde ist und sich gerade anschickt, sein Unternehmen unter weltweiter Beachtung aufzuspalten, das ist in dieser frühen Stunde kaum einem der Mitflieger bewusst. Später nimmt der Chef von Infineon wie selbstverständlich in der Holzklasse Platz und lässt sich am Dresdener Flughafen nicht etwa von einem Fahrer abholen, sondern steigt in eines der wartenden Taxis wie die meisten anderen Passagiere auch.

Willkommen in der neuen Welt von Infineon, in der nach den wilden Jahren unter Ex-Chef Ulrich Schumacher eine zuvor nicht gekannte Nüchternheit eingezogen ist. Vorbei die Zeiten, in denen die Manager des Halbleiterkonzerns im Privatjet um den Globus düsten und von einem Porsche-Rennen zum anderen zogen.

Grafik: Zellteilung - von Siemens zu Infineon zur Speichersparten-Abspaltung

Wolfgang Ziebart fährt auch schon mal mit der Straßenbahn, wenn er seine Fabrik am Standort Dresden besuchen will. „Der Mann lebt die Sparsamkeit vor, die er dem ganzen Unternehmen verordnet hat“, sagt ein Mitarbeiter anerkennend. Wenn sich der gebürtige Niedersachse mit den Leuten unterhält, dann nimmt er sich Zeit. Was ein Unterschied zu Ulrich Schumacher, dem Hansdampf, der selten einmal pünktlich war und beim Eintreffen eigentlich schon längst wieder irgendwo anders sein sollte.

Ziebarts zurückhaltende Art und die Tatsache, dass er kaum in der Öffentlichkeit auftritt, brachten ihm das Image des Zauderers ein, der den schleichenden Zerfall von Infineon wohl kaum aufhalten würde. Wie falsch die Kommentatoren lagen. Denn der frühere BMW-Vorstand war entscheidungsfreudiger, als die meisten Beobachter zunächst mitbekommen haben. Seit seinem Amtsantritt im Herbst 2004 bereitet Ziebart zielstrebig die Aufspaltung des Konzerns vor. Nur so, das war ihm von Anfang an klar, würde er die frühere Siemens-Tochter angesichts der tiefroten Zahlen vor dem Untergang retten können.

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