Inflationäre Titelvergabe
Nicht jeder Chief ist ein Häuptling

„Chief Officer“ nennt sich heute fast jeder Manager, der irgendwie wichtig ist. Schuld an dieser inflationären Titelvergabe trägt die Sparsamkeit der Unternehmen. Denn ein schicker Titel kommt Firmen oft billiger als eine Gehaltserhöhung.

DÜSSELDORF. Was haben der Suchmaschinengigant Google und die amerikanische Sunrise Senior Living, ein Betreiber von Pflegeeinrichtungen, gemeinsam? Vermutlich nicht viel – außer einer ungewöhnlich klingenden, neu geschaffenen Position: Die zwei Unternehmen gestatten sich den Luxus eines Chief Culture Officers. Der stellt sicher, dass die Grundwerte der jeweiligen Firma hochgehalten werden.

Wie Pilze schießen in den USA immer neue Varianten des einst seltenen Chief-Officer-Titels aus dem Boden. Jedoch klingen die meisten wichtiger, als sie sind, suggerieren sie doch oft nur einen Posten in Vorstand oder Geschäftsführung. Diese Titelflut schwappt inzwischen auch über den großen Teich nach Europa. Und so mancher „Häuptling“ hierzulande, der sich stolz mit einem prächtigen Chief-Titel schmückt, ist noch nicht einmal in der Lage, diesen sinnvoll ins Deutsche zu übersetzen – ganz abgesehen davon, dass dieser dann eher langweilig klingt.

Die Liste der sogenannten C-Level-Titel ist mittlerweile ellenlang: Da gibt es einen Chief Officer fürs Lernen, für die Marke, für Talente oder Compliance. Chief Innovation Officers zum Beispiel kümmern sich bei Coca-Cola oder der Citigroup um die strategische Kernausrichtung des Unternehmens. Die Cleveland Clinic wiederum hat einen Chief Experience Officer eingestellt. Dessen Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Erwartungen der Patienten erfüllt und mögliche Schwachstellen beseitigt werden. Noch eher selten ist der Titel Chief Apology Officer anzutreffen wie bei der innovativen US-Billigfluggesellschaft Southwest. Dort hält er Kunden, die zu lange warten mussten oder wegen Überbuchung nicht wie geplant mitfliegen durften, bei Laune.

Immer mehr Werbeagenturen und Unternehmen aus dem kreativen Bereich haben in letzter Zeit einen Chief Creative Officer installiert, der über den gesamten schöpferischen Output wacht. Und so ganz neu sind manche Titel denn auch nicht. Die Bezeichnung Chief Talent Officer etwa existiert in der Technologiebranche bereits seit Mitte der 90er-Jahre. Damals herrschte ein erbitterter Krieg um Talente, und so wurden kurzerhand viele Personalabteilungsleiter in Chief Talent Officers umbenannt.

Und McDonald’s hat sogar den symbolischen Titel Chief Happiness Officer verliehen. Allerdings nicht etwa an den fröhlichsten Mitarbeiter des Monats, sondern an das spaßige Clownmaskottchen der Fastfood-Kette, Ronald McDonald.

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