Informationstechnologie in Unternehmen
Wo Vorstand draufsteht, ist Haftung drin

Geht es um die IT ihres Unternehmens, wissen die meisten Top-Manager nicht, welche Pflichten sie haben. Ein Irrtum, der fatale Folgen haben kann. Und wer outsourcrt, ist damit noch lange nicht alle Sorgen los - egal, was der Dienstleister versprechen mag.

DÜSSELDORF. Die meisten Vorstände und Geschäftsführer sitzen drei fundamentalen Irrtümern auf. Der erste Irrtum: Sie glauben, dass sie sich um die IT ihres Unternehmens nicht im Detail und schon gar nicht im Alltag kümmern müssten. Weil sie nur für die große strategische Ausrichtung des Unternehmens da sind. Falsch. „Top-Manager sind verpflichtet, die IT-Sicherheit zu überwachen – und zwar laufend. Tun sie es nicht, haften sie gegenüber dem Unternehmen und zumindest indirekt auch den Aktionären für die Schäden“, erläutert Jyn Schultze-Melling, IT-Experte aus der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz in München. Deshalb hat die Postbank gerade die Sicherheit ihrer neuen IT noch vor der Installation von der Universität Bochum testen lassen. Und prompt brauchten die Experten nur einen Tag, um das System zu knacken. Der Hintergrund: Kriminelle versuchen, mit gefälschten Mails und Webseiten Online-Bankkunden zur Preisgabe ihrer Kontendaten und Transaktionsnummern zu bewegen.

Der zweite Irrtum: Manager glauben, dass sie als Marketing- oder Personalvorstand nur für ihre Bereiche die Verantwortung tragen und dort für Fehler persönlich haften müssen. Richtig ist: Es ist nicht etwa der höchste IT-Verantwortliche – wie ein IT-Vorstand oder der Abteilungsleiter IT –, der allein für die Technik im Unternehmen den Kopf hinhalten muss. „Jedes einzelne Vorstandsmitglied haftet auch für die Fehler seiner Kollegen in anderen Bereichen – egal welche interne Zuständigkeit gilt“, klärt Anwalt Schultze-Melling auf. Ebenso wenig kann ein Geschäftsführer die Verantwortung auf den IT-Verantwortlichen delegieren.

Im Aktiengesetz und im Handelsgesetzbuch ist ausdrücklich geregelt: Jeder Einzelne im Vorstand ist verantwortlich dafür, dass es ein funktionierendes Überwachungssystem gibt – damit die Firma nicht ganz plötzlich und unbemerkt vor der Insolvenz steht. Jeder Einzelne muss sicherstellen, dass nicht etwa die wichtigsten Forschungserkenntnisse und Betriebsgeheimnisse des Unternehmens, die Finanzdaten, der Auftragsbestand oder die Liste der wichtigsten Kunden abhandenkommen, bei der Konkurrenz landen oder plötzlich im Internet stehen. Und für all dies haftet jeder Einzelne auch.

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