Ingrid Matthäus-Maier
Juristin im politischen Minenfeld

Quasi über Nacht ist Ingrid Matthäus-Maier, Vorstandschefin der staatseigenen Förderbank KfW, in die Welt von „Conduits“, „Super Senior Risks“ und „Event of Default Triggern“ katalpultiert worden. Nun ist die Juristin Krisenmanagerin, die zwischen Bankern und Politikern vermittelt.

FRANKFURT. Die ein oder andere schlaflose Nacht habe sie in diesem Jahr wegen der Krise um die IKB bereits gehabt, gab KfW-Vorstandssprecherin Ingrid Matthäus-Maier kürzlich unumwunden zu. Und auch dieser Tage könnte ihre Nachtruhe beeinträchtigt sein. Quasi über Nacht ist die 62 Jahre alte Vorstandschefin der staatseigenen Förderbank KfW in die Welt von „Conduits“, „Super Senior Risks“ und „Event of Default Triggern“ katalpultiert worden.

Das war damals Ende Juli, als die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, an der die KfW mit knapp 38 Prozent die höchste Beteiligung hält, über ein einziges Wochenende gerettet werden musste. Seither muss Matthäus-Maier, die lieber gerade heraus sagt, was sie denkt, durch die von Investmentbanken und hoch spezialisierten Kanzleien aufgebaute hoch komplexe Welt der Zweckgesellschaften und ihrer Paragraphen navigieren, in die sich die IKB schon vor Jahren verirrt hatte. Hier können Zusätze auf Seite 92 eines 400 Seiten starken Prospekts Millionen, ja sogar Milliarden an Verlust bedeuten.

Eine Welt, die es während ihres Jurastudiums in den sechziger Jahren noch nicht gab. Und eine Welt, die eigentlich so gar nicht zum Charakter der konservativen KfW und ihrer eher politisch denkenden Chefin passt, die mit ihren farbigen Kostümen und ihrer Begeisterung für konservative deutsche Bausparverträge zwischen den Chefs der deutschen Großbanken nicht nur optisch aus der Reihe fällt.

Die KfW ist keine normale Bank, sie gehört zu 80 Prozent dem Bund, zu 20 Prozent den Ländern. Ihr Verwaltungsrat mit stolzen 37 Mitgliedern wird von Ministern und Bundestagsabgeordneten dominiert. Die Besetzung der KfW-Spitze artete im vergangenen Jahr zum parteipolitischen Machtkampf aus, den am Ende Matthäus-Maier für sich entscheiden konnte Nach sieben Jahren im Vorstand der KfW rückte sie schließlich an deren Spitze.

Wenn diese politisch bestimmte Staatsbank, die mit ihrem Geld eigentlich die Umwelt und den Mittelstand fördern soll, nun rund fünf Mrd. Euro an Risiken abschirmen muss, dann sorgt das in Berlin für Diskussionen – bei Politikern, deren Welt noch weiter von solchen Conduits entfernt ist, wie Matthäus-Maier aus ihren gut zwei Jahrzehnten im Bundestag für die FDP und SPD weiß.

Deshalb muss sie erklären und erläutern – auf der außerordentlichen Sitzung des KfW-Verwaltungsrats am Freitag in Berlin und wohl noch lange danach. Schon aus Eigennutz, um nicht persönlich unter Druck zu geraten für Risiken, die vor ihrer Zeit als KfW-Chefin im fernen Düsseldorf verursacht wurden. Doch wie erklärt sie in Berlin, dass an dem Krisenwochenende Ende Juli, als alles schnell gehen musste, niemand die Paragrafen auf Seite 92 kennen konnte? Dass selbst die Experten einer beauftragten Investmentbank die Risiken nicht sahen. Wie überzeugt sie Mitglieder des Verwaltungsrats, weitere Millionen für die IKB zu zahlen? Wäre es nicht besser, die Bank einfach sich selbst zu überlassen?

Die Regeln in der Welt der Conduits einerseits und der politischen Prozesse in Berlin andererseits könnten kaum weiter auseinander liegen. Und Matthäus-Maier, die nie im Aufsichtsrat der IKB saß, steht derzeit mitten zwischen ihnen. Vermitteln ist im Moment neben Krisenmanagement eine ihrer zentralen Aufgaben. Ihre Erfahrung mit den Gesetzen der Bundespolitik und ihre hervorragenden Kontakte in die SPD dürften ihr nun zu Gute kommen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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