Inhaber einer Unternehmensberatung
Rudolph Giuliani wird Investmentbanker

Der Mann mit der hohen Stirn und dem kantigen Gesicht hat eine Menge Talente. Als New Yorker Bürgermeister koordinierte er den Wiederaufbau von Ground Zero nach den Terrorattacken vom 11. September. Er gab der Stadt neuen Mut, und das machte er in den Augen vieler Amerikaner offenbar so gut, dass er schon als potenzieller Kandidat der Republikaner bei den nächsten US-Präsidentschaftswahlen gehandelt wird.

NEW YORK. Doch auf dem Weg nach Washington macht Rudolph Giuliani erst noch einen Abstecher an die Wall Street. Gestern gab Giuliani die Übernahme einer kleinen Bank bekannt. Der 60-Jährige kauft die Investment-Banking-Sparte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. „Damit können wir unsere Kunden künftig bei Kapitalmarkttransaktionen beraten“, teilte Giuliani mit. Den Kaufpreis nannte er nicht.

Mit dem Erwerb verlagert der Ex-Politiker das Angebot seiner Unternehmensberatung Giuliani Partners stärker in die Finanzszene. Bislang beriet der einstige Bürgermeister große Unternehmen vor allem beim Schutz vor Terrorismus, bei Verdachtsfällen von Bilanzbetrug und in Fragen der Unternehmensführung (Corporate Governance). Dabei profitierte Giuliani von seinem Ruf als „Retter New Yorks“, den er sich bei der Krisenbewältigung nach den Terroranschlägen erwarb.

Zuvor hatte „Rudy“ Giuliani mit seiner knallharten Null-Toleranz-Politik gegenüber Rechtsbrechern in New York große Erfolge erzielt, aber auch Kritik geerntet. Nach dem Rückzug vom Bürgermeisteramt gründete Giuliani Ende 2001 seine eigene Beratungsfirma.

Giuliani dürfte sich jedoch nur vorübergehend vom Politiker zum Geschäftsmann gewandelt haben. Selbst Freunde glauben, dass sein Ausflug an die Wall Street lediglich ein finanzielles Polster schaffen soll, um in den nächsten Jahren erneut politische Ämter anzustreben als Kandidat der Republikaner.

„Jemand wie Rudy zieht es unwiderstehlich zurück in die Politik“, sagt Giulianis Freund und New Yor-ker Geschäftspartner Raoul Felder. Der Ex-Bürgermeister selbst betont in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, ihn interessiere der-zeit vor allem seine Firma. „Ich ste-he voll hinter dem Ausbau unseres Geschäfts, das ist mein Ziel für die nächsten Jahre. Im Moment denke ich wirklich nicht an die Politik“, sagt er, um aber gleich hinzuzufügen: „Langfristig – wer weiß?“

Durch die jüngste Übernahme stoßen 100 Investmentbanker von Ernst & Young zur Unternehmensberatung Giuliani Partners. Damit steigt die bisherige Zahl von 40 Mitarbeitern um das Zweieinhalbfache. Die Wirtschaftsprüfungsfirma selbst will sich stärker auf ihr Kerngeschäft, die Bilanzprüfung, konzentrieren.

Mit dem Zukauf tritt Giuliani in Konkurrenz zu weitaus größeren Wall-Street-Banken, von denen einige den vielseitigen Mann noch in schlechter Erinnerung haben. Denn in den 80er-Jahren verfolgte Giuliani als Staatsanwalt Insiderhandelsgeschäfte bei großen Finanzhäusern. Seine Erfolge gegen die Wall Street machten Giuliani damals populär und halfen ihm bei seinem späteren Aufstieg zum Bürgermeister.

Der aktuelle New Yorker Generalstaatsanwalt, Eliot Spitzer, arbeitet übrigens nach dem gleichen Muster: Er gilt nach Aufsehen erregenden Kampagnen gegen Investmentbanken und Versicherer als Favorit für die Gouverneurswahlen im Staat New York, die 2006 stattfinden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%