Inhaberfamilien
Wie die Porsche-Erben um die Macht kämpfen

Familiärer Krisengipfel: Am Mittwoch soll die Familie Porsche Farbe bekennen, wie sie ihre Finanznot beseitigen will. Nachdem der Ende 2008 errungenen Burgfrieden zwischen den Stämmen Piëch und Porsche gebrochen ist, geht es aber um mehr: um die Macht innerhalb des Clans. VW-Patriarch Ferdinand Piëch sieht seine Chance gekommen.

HAMBURG/STUTTGART. Lichterloh lodert das Feuer, vernichtet kostbaren Besitz der erfolgsverwöhnten Milliardäre Porsche und Piëch. Ende April gehen zwei Yachten der Autodynastie am Wörthersee in Flammen auf. Darunter das von Clan-Gründer Ferdinand Porsche in Auftrag gegebene Segelboot "Sia" aus den 40er-Jahren.

Selbst 160 Feuerwehrleute können den Brand nicht rechtzeitig löschen. "Die Familie ist untröstlich", sagt Porsche-Enkel Hans-Peter Porsche später. Das Feuer erwischt am 17. April zudem eine 14-Meter-Segelyacht von Cousin Ferdinand Piëch, der zu der Zeit seinen 72. Geburtstag feiert.

Kein gutes Omen für eine der einflussreichsten Industriellenfamilien: Die stockende Übernahme von Volkswagen durch Porsche und die daraus resultierenden Finanznöte haben den Ende 2008 errungenen Burgfrieden zwischen Piëch und seinem Cousin Wolfgang Porsche gebrochen. Piëch ist Chefaufseher von VW, Porsche kontrolliert den Sportwagenbauer und die Porsche-Holding (SE).

"Bei uns tickt keine Zeitbombe", heißt es in Stuttgart. Aber morgen treffen die beiden Männer im Rahmen eines familiären Krisengipfels in Salzburg aufeinander. Mit am Tisch sitzen für die Porsche-Seite: Cousin Hans-Peter und Neffe Oliver, Sohn des Porsche-911-Schöpfers Ferry. Für den Piëch-Stamm ist dessen Sprecher und Ferdinands Bruder Michel dabei. Die fünf Männer tragen an unterschiedlichen Stellen im Familienreich Verantwortung. Was sie eint, ist der Sitz im Aufsichtsrat von Porsche SE und AG. Dort geben ihre Stimmen die Entscheidung vor. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzchef Holger Härter müssen draußen bleiben - und werden bei Bedarf hinzugebeten.

Das Perfide: Entsprechend der Familiensatzung müssen die fünf trotz interner Konflikte später im Porsche-Aufsichtsrat einstimmig votieren. So war es auch Anfang des Jahres bei der Erhöhung des VW-Anteils auf 50,8 Prozent, die den Schuldenberg von gut zehn Milliarden Euro erst anhäufte. Der Familienzwist soll nicht vor anderen Leuten ausgetragen werden.

Doch Piëch strebt seit jeher vor allem die Macht in Wolfsburg an. Jetzt sieht er seine Chance gekommen, heißt es im Porsche-Umfeld. Vater Anton Piëch baute nach dem Krieg die Käfer-Produktion am Mittellandkanal auf. Sohn Ferdinand will die Stuttgarter Schwäche nutzen, um das Machtzentrum innerhalb des Autoreiches nach Wolfsburg zu verlagern.

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