Innovationen
Konsumbranche scheut teure Experimente

Die meisten deutschen Großunternehmen investieren wieder mehr in Forschung und Entwicklung. Die Konsumbranche bildet da eine Ausnahme. Denn gerade hier sind neue Produkte besonders anfällig, beim Verbraucher durchzufallen.
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DÜSSELDORF. Deutschlands Konsumgüterbranche spart massiv an Innovationen. „Wegen der aktuellen Marktverfassung scheuen Unternehmen derzeit hohe Ausgaben für Neuheiten“, berichtet Johannes Siemes, Sprecher des Consumer & Retail Thinktank (CRTT). Das von der Beratungsgesellschaft KPMG getragene Expertengremium, dem renommierte Handelsprofessoren, Analysten, Marktforscher und Unternehmer angehören, rechnet deshalb in den kommenden Monaten mit deutlich weniger echten Innovationen in den Ladenregalen.

Der Marktforscher-Weltverband Esomar bestätigt diese Einschätzung. Für den Markttest neuer Produkte gäben die Unternehmen aktuell weniger aus, so die Organisation. Nach einer Umfrage von Boston Consulting unter 2 700 Führungskräften weltweit wollen nur noch 58 Prozent ihr Budget für Innovationen erhöhen. 2008 waren es noch 63 Prozent. Zählten vor drei Jahren 72 Prozent die Entwicklung von Neuheiten zu den drei wichtigsten Aufgaben ihres Unternehmens, sehen das heute nur noch 64 Prozent so. Damit koppelt sich die Branche von anderen Industrien ab, die ungebrochen in die Forschung investieren (siehe Artikel links).

„In Krisenzeiten sind Markenartikler mit der Entwicklung echter Innovationen eher zurückhaltend“, beobachtet Henning Rossa vom Marktforschungsinstitut TNS-Infratest. „Um das Vertrauen der Verbraucher zu erhalten, setzen sie in schweren Zeiten lieber darauf, ihre Marken durch kleine Modifikationen modern zu halten.“

Die Belebung im Einzelhandel dürfte damit einen weiteren Dämpfer erhalten. Denn üblicherweise sind es Innovationen wie iPod, Swatch-Uhr oder Digitalkamera, die schwächelnden Konsumbranchen in Krisenzeiten neuen Schwung verleihen. So in der Unterhaltungselektronik, wo die Händler im ersten Halbjahr 2009 deutschlandweit 42 Prozent ihrer Erlöse mit dem Verkauf von Flachbildfernsehern erzielten.

In der nächsten Zeit werden Deutschlands Einzelhändler aber wohl weitgehend auf solche Neuheiten verzichten müssen. „Die Finanzierung risikoreicher Innovationen stößt wegen der Kreditkrise derzeit an Grenzen“, sagt der Hamburger Handelsprofessor Rainer Lademann.

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