Innovationsforum 2016
Die Welt der Roboter

Künstliche Intelligenz und Start-up-Kultur: Deutsche Topmanager diskutieren auf dem fünften Innovationsforum von Goethe-Universität und Handelsblatt über bahnbrechende Neuheiten.

FrankfurtStart-ups von gestern sind heute Facebook, Google oder Amazon. Jetzt drängen sich die Internetgiganten in das Feld der etablierten Wirtschaft. Und sie treiben ein Kernthema mit aller Macht voran: künstliche Intelligenz. Die Web-Giganten kaufen sich dafür selbst bei Start-ups ein. Ist die künstliche Intelligenz dem Menschen überlegen? Wie reagieren deutsche Wirtschaftslenker? Wie hält Deutschland bei dem Innovationstempo mit?

Ob Robotik, Handel, Banken, Autoindustrie oder Wirtschaftsprüfung – alle Topmanager, die sich mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über Innovation austauschten, kooperieren inzwischen mit Start-ups oder beteiligen sich daran. Dazu gehörten Pricewaterhouse-Coopers-Vorständin Petra Justenhoven, Kuka-Chef Till Reuter, Metro-Chef Olaf Koch, Schaeffler-Boss Klaus Rosenfeld sowie Postbank-Chef Frank Strauß.

„Die Generation R wächst heran, und sie wird mit den Robotern so arbeiten wie wir mit dem Smartphone“, sagt Kuka-Chef Reuter. Er ist überzeugt, dass der Trend zu intelligenten Robotern nicht mehr aufzuhalten ist. Kuka zählt zu den Weltmarktführern der Robotik. Eng arbeitet der Konzern bei der Entwicklung von Software und Sensorik für Roboter, die mit dem Menschen Hand in Hand arbeiten können, auch mit Start-ups zusammen.

Reuters Konzern wird vom chinesischen Hausgerätehersteller Midea übernommen, sobald die Wettbewerbshüter zugestimmt haben. Mehr als 90 Prozent hält Midea dann an Kuka. „Ich habe nicht die Tür aufgemacht für die Chinesen, sondern für Wachstum“, betonte der Kuka-Chef. Die Chinesen sind fest entschlossen, mit der Kuka-Technologie Roboter alltagstauglich zu machen. Reuter sieht eine schrittweise Entwicklung. „Cyber-physische Systeme werden digitale und reale Welt verbinden“, sagt er. Und der Kunde werde zum „Prosumer“, der am Produktionsprozess beteiligt wird. Erste Schritte in die neue Welt hat Kuka bereits getan und kooperiert mit Salesforce, Infosys und Huawei. Reuter sieht bestehende Geschäftsmodelle angegriffen.

Am heftigsten hat es bislang den Handel erwischt, bei dem der US-Onlinehändler Amazon die ganze Branche aufgemischt hat. „Wir hatten 2010 noch eine Diskussion im Haus, ob das Internet eine Modeerscheinung ist. Das ist kein Witz“, räumte Metro-Chef Koch ein. Der Erfolg der großen Konzerne in der Vergangenheit sei Segen und Fluch zugleich. Nur mit Innovationen könne die Branche bestehen. Die Innovation liege ganz stark beim Kunden. So habe die Metro-Tochter Mediamarkt die schnellste Smartphone-Werkstatt im Markt. „Das kann Amazon nicht“, betont Koch. „Unser Kundenkontakt ist ein Vorteil.“

Zu den Metro-Kunden zählt auch die Gastronomie. „Wenn wir von Industrie 4.0 reden, dann müssen wir in der Gastronomie von 1.1 reden“, stellt Koch nüchtern fest. Das liege daran, dass digitale Technologie erstens zu teuer sei und der Gastronom keine Zeit habe. Seit 2012 versucht die Metro, ihren Kunden digital auf die Sprünge zu helfen. Techstars aus Colorado macht seit 2006 nichts anderes, als Firmen aufzubauen. Seit 2015 kooperiert Metro mit den Amerikanern und bastelt an neuen Projekten, eins davon ist Group-Raise, bei dem der Gastronom Kunden anbietet, bei einer Veranstaltung an bestimmten Tagen 20 Prozent von den Einnahmen an eine Schule oder ein Krankenhaus zu spenden. „Das ist in Amerika ein Riesenrenner“, sagt Koch. So könne der Gastronom schwache Zeiten auslasten.

Ähnlich wie beim Handel ist das Geschäftsmodell der Banken besonders durch neue Wettbewerber aus dem Netz bedroht. „Ich fühle mich nicht von Fintechs angegriffen“, sagte Postbank-Chef Strauß und blieb gelassen. „Sie sind eher inspirierend und helfen, den Fokus wieder stärker auf den Kunden zu lenken.“ Gleichwohl sieht der Postbank-Chef seine Branche unter Druck. Die Banken stünden in den nächsten beiden Jahren vor gewaltigen Veränderungen.

Nicht viel anders in der Industrie: Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfer von PWC werden weltweit 900 Milliarden Dollar und damit fünf Prozent des Umsatzes von den Unternehmen weltweit investiert, um fit für die vernetzte Industrie 4.0 zu werden. „Der Mittelstand tut sich bei dem Thema nach wie vor schwer“, konstatierte PWC-Vorständin Justenhoven.

„Es gibt Möglichkeiten, Innovation zu fördern, wenn man Transparenz wagt“, sagt der Chef des Automobilzulieferers Schaeffler, Klaus Rosenfeld. Der Wälzlagerhersteller lädt etwa jedes Jahr mehrere Dutzend größere und kleinere Unternehmen an den Firmensitz in Herzogenaurach zum Technologiedialog ein, um sich frei über Lösungen auszutauschen. Der Wille, etwas auszuprobieren, gehöre zur DNA eines langfristig denkenden Familienunternehmens. Auch Fehler seien erlaubt, sofern der gleiche nicht zweimal gemacht werde.

Die Frage eines katholischen Paters aus dem Publikum, ob es auch Dinge gebe, die die Unternehmen bei der digitalen Revolution aus ethischen Gründen nicht machen würden, damit es ihnen nicht ginge wie dem Zauberlehrling, löste an dem Abend in der Goethe-Universität Nachdenken bei den Führungskräften aus. Produkt- und Datensicherheit seien für die Kunden unabdingbar, waren sich die Wirtschaftslenker einig. Aus Goethes Meisterwerk stammt das geflügelte Wort: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ Aber Bangemachen galt an diesem Abend nun gar nicht.

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