Innovationsmanagement wird häufig stiefmütterlich behandelt
Zu oft am Kunden vorbei

Eine Exklusiv-Studie belegt, dass Deutschland ein Innovationsproblem hat - obwohl Know-How, Geld und Motivation da sind.

Neue Produkte gibt es hier zu Lande in Hülle und Fülle – nur haben will sie oft keiner. Deutschland hat ein Innovationsproblem: Das Innovationsmanagement krankt daran, dass zu viele Produkte am Kunden vorbei entwickelt werden. Und gute Ideen versanden allzu häufig im Organisationswirrwarr in den Unternehmen. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Unternehmensberatung Innovation Trust aus Hamburg, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

In vielen Sektoren, etwa der IT-Industrie, macht es die immer kürzere Abfolge von Neuentwicklungen unmöglich, Jahre bis zur Marktreife eines Produktes zu forschen – um dann weitere Jahre gut davon zu leben. Viele Unternehmen in Deutschland stehen deswegen unter Druck. Vor allem, wenn sich Milliarden-Investitionen wie für die UMTS-Lizenzen nicht auszahlen. Entgegen der reflexartigen Klagen von Vorständen über die Bedingungen am Standort Deutschland scheint die Innovationsmisere aber hausgemacht, ermittelte InnovationsTrust bei der Befragung von 100 in Deutschland aktiven Großunternehmen. „Es gibt keine Entschuldigungen, denn in den Unternehmen finden sich genug Geld, Motivation und Know-how“, sagt Studienautor Axel Glanz. „Es gibt aber auch eine Reihe Organisationsprobleme in und zwischen Unternehmen.“

Dazu gehören Entwicklungskooperationen, die wegen schlechter Absprachen und unklarer Zuständigkeiten im Projektchaos versinken. Oder Abteilungen, die Neuerungen nicht unterstützen, weil sie eine Bedrohung für die eigene Bedeutung in der Firma darstellen. Auch Mitarbeiter, die Neues fürchten, wenn etwa im Einkauf ein elektronische Beschaffungssoftware eingeführt wird, blockieren oft.

Um so wichtiger ist es, die unbestreitbar vorhandenen Potenziale in den Unternehmen auszunutzen. „Die Ressourcen sind da, die Leute gut ausgebildet und motiviert, aber die internen Strukturen werden als Hindernis wahrgenommen“, bilanziert Axel Glanz. Stolze 88 Prozent der Befragten betrachten organisatorischen Probleme wie die Komplexität der Strukturen und Prozesse als ihr größtes Manko. Erschreckende 77 Prozent der Befragten bezeichnen die schlechte Kommunikation im Unternehmen als Hürde bei Innovationsprozessen. Acht von zehn Befragten räumen obendrein ein, dass im Haus die trennschärfere Abgrenzung der Verantwortlichkeiten fehlt – und dadurch weitere Probleme entstehen. Fast keine Rolle spielen dagegen gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie das Ausbildungsniveau potenzieller Mitarbeiter.

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