Innovative Unternehmen

Neue Spielwiesen für kreative Köpfe gesucht

Nicht jeder ist ein Einstein oder Edison. Doch Firmen können viel tun, damit ihre Mitarbeiter kreativ sind. Zu viel deutsche Gründlichkeit engt ein, viele Firmen haben den Stellenwert von Ideen nicht erkannt. Die Konkurrenz im Ausland macht es oft besser.
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Musizierende Roboter von Toyota: Die Maschinen wurden von Tüftlern des japanischen Autoherstellers entwickelt Quelle: © Nippon News / Andia.fr

Musizierende Roboter von Toyota: Die Maschinen wurden von Tüftlern des japanischen Autoherstellers entwickelt

DÜSSELDORF. Auf der Jagd nach neuen Ideen geht Evonik ganz eigene Wege. Der Essener Industriekonzern steckt seine Forscher für ganze drei Jahre in spezielle Projekthäuser. In diesen „Forscher-WGs“ können die Experten aus verschiedenen Fachgebieten und Ländern dann in Ruhe über Aufgaben wie „Kleben auf Knopfdruck“ brüten.

Acht solcher Projekthäuser hat die Ideenschmiede Creavis von Evonik bislang aus der Taufe gehoben. Herausgekommen sind wegweisende Innovationen wie „Keramik von der Rolle“ – eine Membran, die Batterien vor Überhitzung schützt.

Ideen sind ein extrem flüchtiger Rohstoff. Deutschland gilt zwar als Land der Tüftler und Denker. Doch nur 17 Prozent der deutschen Manager halten die Unternehmen hierzulande für besonders kreativ. Das ergab eine Umfrage der Akademie der Führungskräfte unter mehr als 600 Entscheidern. Jeder fünfte Manager meint sogar: Deutsche Unternehmen sind eher unkreativ.

Die Konkurrenz im Ausland macht es oft besser. „Deutschland hat kein einziges Internet-Unternehmen von Weltruf hervorgebracht“, sagte August-Wilhelm Scheer, Gründer des Softwarehauses IDS Scheer, kürzlich auf dem Querdenker-Kongress. Es sind die Googles, Facebooks und Toyotas, die mit frischen Ideen die Wirtschaft aufmischen.

Viele Firmen in Deutschland haben den Stellenwert von Ideen nicht erkannt. Das meint auch Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger: „Wir Deutsche sind sehr stark aufs Sachgut konzentriert. Der Kunde will aber heute eine Gesamtlösung mit Zusatznutzen. Mit dem Produkt wird immer mehr Emotion verkauft.“

In der Rangliste der innovativsten Unternehmen stellen laut „Bloomberg Businessweek“ denn auch sechs amerikanische und vier asiatische Konzerne die Top Ten. Apple führt vor Google, Microsoft, IBM und Toyota. Erst auf Platz 15 und 18 folgen mit VW und BMW deutsche Konzerne. Auch bei den Patentanmeldungen weltweit sind Deutsche klar zurückgefallen: 2002 noch Rang drei hinter Japan und den USA haben Kreativschmieden aus Südkorea und China überholt.

„In hochkreativen Firmen wie Toyota oder Google ist Innovation eine Religion“, sagt Henning Patzner, Kreativmanager der Werbeagentur Serviceplan. Die Unternehmen sind hungrig nach Ideen. Keine Innovation kann da verrückt genug sein. Hierzulande stehen sich Innovatoren oft selbst im Wege. Deutsche Gründlichkeit behindert Kreativität – das äußerten viele Manager in der Akademie-Umfrage. „Management strebt in der Regel nach Effizienz. Beim Optimieren von Abläufen ist dies goldrichtig, bei kreativen Prozessen nur bedingt“, meint Jens-Uwe Meyer, Autor von „Das Edison-Prinzip“.

Alarmierend: Nicht überall ist Kreativität der Belegschaft auch erwünscht. Ideenfindung ist Chefsache – darüber beklagt sich hierzulande jeder siebte Beschäftigte. Das ergab eine Umfrage der Beratung Iqudo unter 500 Arbeitnehmern.

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6 Kommentare zu "Innovative Unternehmen: Neue Spielwiesen für kreative Köpfe gesucht"

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  • Sagt doch endlich wo das Problem liegt: Die deutsche Dr. Titel Elite Akademie. Nur diese gymnasialen teuer hochgeförderten Oberstüfler haben das Sagen. Alles andere wird niedergewalzt.

    Hinzu kommt die Militärdiktatur des bundes, welche Menschen die gewalttätig sind befördert.

    Wer gewaltätig ist hat sich bewiesen und wird wirtschaftlich belohnt und hat Karrierechancen in Deutschland. Um das System zu beweisen gibt es ein paar Reiche die sich einkaufen können und gleichfalls über Charismatrainings und anderes mitwirken und den Menschen vorgaucklen hier in Deutschland ist alles in Ordnung man muss nur positiv denken.
    Gleichzeitig gibt es die, was bereits Wallraff vor zig Jahren sagte, diese künstlich und ausdrüvklivh gewollt gehaltene, asoziale Unterschicht.

    Wer Frust hat darf sich hier ablassen.
    Und diese Leute sind auch immer schuld und schuldig.
    So verbuddeln sie, wie Ursula Leyen bei Gottschalk ausdrücklich suggestiv betonte, ihre Kinder in blumentöpfen.
    So wird die Schuld der Gewalt wieder und wieder auf die anderen abgewälzt. Die wahren verursacher lenken dadurch vom Thema ab und beschäftigen damit die bevölkerung. Unsere Herrschaften jedoch kassieren fürstlich weiter und amüsieren sich.

  • Hallo,
    zunächst sei allen die hier lesen ein erfolgreiches 2011 gewünscht.

    Meine Erfahrung in deutschen Unternehmen ist, es ist wichtiger in informellen Netzwerken gut Kind zu machen, als die Effizienz und das Nowhow durch kreative Arbeit in der Firma an die Spitze zu bringen. Wer das penetrant versucht wird bald von den "Lokalen Fürsten" gemobbt und verdrängt, denn er ist ja unbequem. Da helfen selbst nachgewiesene Erfolge nichts.

    Da kommt schon mal ein Chef in die Abteilung, beleidigt pauschal alle die mit Mühe zu einem Team zusammengeschweissten Mitarbeiter, und wundert sich wenn die Leute dann nur noch Dienst nach Vorschrift machen. in der besagten Firma wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert, Hochtechnologie entwickelt und gefertigt.
    Heute nicht mehr, die Motivation ist der Kariere des Vorgesetzen zum Opfer gefallen, Die MA`s sind aus dem betrieb gemobbt worden, die ehemals an der Weltspitze agierende Firma ist inzwischen durch mehrfache Teilung und mehrfachen Verkauf an Finanzhaie auf dem Weltmarkt bedeutungslos geworden. Die vielen Chefs sitzen immer noch auf ihren toten Pferden und beschäftigen Unternehmensberater die die Effizienz im Unternehmen steigern sollen.

    Die wirklich creativen MA`s werden doch aus egoistischen Gründen systematisch ins Abseits gedrängt, es stört offensichtlich keinen das so die Chancen der Zukunft verspielt werden.

    Die Totengräber der Weltfirma werden anstandslos von der Einstellung bis zum Ruhestand durchgefüttert.

    Wenn dann hochkarätig ausgebildete bewerber mit Prädikatsexsamen sich in solchen Firmen bewerben, werden Sie wenn überhaupt, wie Deppen behandelt.

    Wer also am Anfang seiner Chariere soll sich gut überlegen ob er in solche Tretmühlen einsteigen will, global gibt es heute bessere Chancen, unser Fachwissen ist auf der ganzen Welt begehrt.

    Mein Resüme nach 40 Arbeitsjahren mit Arbeitgebern im in- und Ausland.

  • Kreativität ist meist unerwünscht, geht es doch den Chefs vorrangig um Einhaltung von Deadlines für meist bereits überholte Produkte. Da werden dann auch höherwertige Konzepte wegen der zusätzlichen Zeit vorab geopfert bzw. garnicht erst zugehört, geschweige denn Patente dafür aufgesetzt. Das habe ich selbst mehrfach so erfahren.

    Wenn es nur nicht so teuer wäre selbst Patente einzureichen... aber warum überhaupt ein Patent einreichen? Reines black-box Denken (wie vom Marketing) reicht doch auch völlig aus. Wie es innen tatsächlich funktioniert ist den meisten Menschen eh völlig wurscht, wenn es denn funktioniert ;-)

  • Es ist bezeichnend, dass es in diesem Artikel nur um die innovativität in Konzernen geht. Die These von der grundsätzlichen Überlegenheit der Großunternehmung gegenüber kleinen und mittelständischen Unternehmen in puncto innovativität, die auch die Wirtschafts- und Forschungspolitik spätestens seit den 60er Jahren leitet, ist nie empirisch eindeutig bestätigt worden. im Gegenteil muss heute angesichts so vieler Märkte, die nur noch von ein paar Konzernen dominiert werden (z. b. Automobilbau, Computer, Prozessoren, Pharma etc.) davon ausgegangen werden, dass die in allen industriestaaten eher geringe innovative Dynamik viel mit der Dominanz der Konzerne zu tun hat (siehe dazu: http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2009/09/kapitalismus-in-der-krise-abschied-von.html).

    Es ist richtig: Gerade die Konzerne verfolgen weltweit die Strategie der Kostenführerschaft, bei der das Ziel Effizienz heißt. Dabei geht es in erster Linie um die Verteidigung der Marktposition und nicht um innovative Umwälzung von Märkten. im Gegenteil werden allzu innovative ideen nicht aufgegriffen, sondern unternehmensintern vom Management unterdrückt, weil sie eigene erfolgreiche Produkte kannibalisieren könnten und somit in erster Linie nicht als Chance, sondern als eine Gefahr für den Status Quo bzw. die eigene Marktposition angesehen werden. Enge Oligopole, wie wir sie heute nicht selten auf Märkten haben, fördern zudem eine Politik des „leben und leben lassen“ oder anders ausgedrückt: Eine krähe hackt der anderen kein Auge aus.

    Eine hohe innovative Dynamik kann sich unter solchen Voraussetzungen nicht entwickeln.

  • Nicht umsonst verlassen die fähigsten Köpfe dieses engstirnige Deutschland. Es ist nicht erlaubt bessere ideen als der Chef zu haben. in Deutschland ist Karriere eine Angelegenheit, die von Seilschaften gemacht wird. Kreativität und Kompetenz ist hier ein absolutes KO-Kriterium. Anpassung und Kriechen ist das gesuchte Aufstiegskriterium. Daraus resultiert die "Topposition" der deutschen Firmen im Ranking. Weiter so, Deutschland!

  • bitte befragen Sie nicht nur Manager, für wie kreativ sie ihre Unternehmen (oder Mitarbeiter) halten. Fragen Sie auch die Mitarbeiter, für wie kreativ sie ihre Manager halten.
    in unserer Firma beantwortete ein bereichsleiter die Mitarbeiterfrage, was wir mehr tun können, um die Kreativität zu fördern mit: Dafür haben wir doch ein Formular für Erfindungsmeldungen im intranet. "Oder wie ist die Frage gemeint?" ... E

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