Insiderskandal: Sechs Monate Haft für Ex-IBM-Manager Moffat

Insiderskandal
Sechs Monate Haft für Ex-IBM-Manager Moffat

Es ist der erste kurze Schatten eines spektakulären Gerichtsverfahren wegen Insiderhandels: Ex-IBM-Manager Robert Moffat wurde am Montag zu einer Geldstrafe und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte seiner Freundin Geschäfts-Interna zukommen lassen, die diese für Spekulationen nutzte. Ihr Geschäftspartner war kein anderer als Raj Rajaratnam.
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HB NEW YORK. Nach einer verhängnisvollen Affäre mit einer Hedgefonds-Händlerin muss ein früherer hochrangiger IBM-Manager ins Gefängnis. Ein New Yorker Gericht verurteilte Robert Moffat am Montag zu sechs Monaten Haft und einer Geldstrafe von 50 000 Dollar (knapp 39 000 Euro), weil er Insiderinformationen an seine Freundin weitergab.

Danielle Chiesi, die beim früheren Bear-Stearns-Fonds New Castle arbeitete, erhielt nach Angaben des Gerichtes Tipps über Geschäftspläne von IBM und Hinweise auf Bilanzergebnisse des chinesischen Computerherstellers Lenovo, in dessen Verwaltungsrat Moffat saß.

Die außereheliche Liaison mit Chiesi kommt den früheren Top-Manager teuer zu stehen. Sein Sturz ist tief: Moffat hatte über 30 Jahre lang Karriere bei IBM gemacht. Er galt dort sogar als Kandidat für den Chefposten. In einem der spektakulärsten Verfahren wegen Insiderhandels an der Wall Street spielt Moffat allerdings nur eine Nebenrolle.

Im Fokus stehen der Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam und seine engste Geschäftspartnerin: Danielle Chiesi. Sie sollen im Januar vor Gericht stehen. Beide haben auf nicht schuldig plädiert.

Die Justiz hatte ein Netz von ehemaligen Börsenhändlern, hochrangigen Managern und Anwälten aufgedeckt, die untereinander börsenrelevante Informationen ausgetauscht haben sollen. Die Beteiligten wussten immer den entscheidenden Moment früher als der restliche Markt über Quartalsberichte oder interessante Fusionspläne von solchen Schwergewichten wie IBM, Google oder Intel Bescheid.

Moffat war im Oktober 2009 festgenommen worden. Im März hatte er sich schuldig bekannt, sein Insiderwissen an Chiesi weitergegeben zu haben. Nach Angaben seiner Anwälte bekam Moffat jedoch weder Geld dafür noch handelte er selbst auf diese Informationen. Richterin Deborah Batts warf ihm einen außerordentlichen Verstoß gegen seine Treuepflichten vor.

Zugleich redete sie ihm ins Gewissen: „Wirtschaftskriminalität ist für die Gesellschaft genauso schädlich wie Drogen und Gewalt“, sagte Batts. Der Angeklagte gab sich reumütig. Im Beisein von Ehefrau, Kindern und Freuden sagte er unter Tränen: „Ich habe schreckliche Fehler begangen, die mich den Rest meines Lebens verfolgen werden.

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