Insolventer US-Autobauer
Chrysler: Fest in italienischer Hand

Von Nardelli zu Marchionne: Der insolvente US-Autobauer Chrysler lockt immer wieder Sanierer mit italienischen Wurzeln an.

MAILAND/NEW YORK. "Ich habe uns hierher gebracht. Und ich fühle mich gut, dass wir hierher gekommen sind." Mit einem gequälten Lächeln versucht Robert L. Nardelli das Konkursverfahren des drittgrößten US-Autobauers als Erfolgsmeldung zu verkaufen. Dabei bewegen sich die Mundwinkel des scheidenden Konzernchefs von Chrysler keinen Millimeter nach oben. Das einzig strahlende ist das silberne Chrysler-Logo auf der Leinwand hinter Nardelli, ein fünfzackiger Stern namens Pentastar.

In seinem ersten Fernsehinterview nach der unabwendbaren Pleite spricht Nardelli von einem "bitter-süßen Ergebnis": Chrysler darf weiterhin Autos bauen, immerhin. Aber eben mit dem Makel des Pleitekonzerns - gestützt von der US-Regierung, geführt künftig von Fiat und seinem Vorstandsvorsitzenden Sergio Marchionne. Nardelli wird das Konkursverfahren noch eine Weile begleiten, dann aber abtreten und als Berater für den Finanzinvestor Cerberus weiterarbeiten. "Wurden Sie zum Rücktritt gedrängt?", fragt die CNBC-Reporterin forsch: "Nein", beteuert Nardelli, es sei jetzt schlicht die richtige Zeit für einen Wechsel an der Unternehmensspitze.

Man könnte auch sagen: Als Retter einer Auto-Ikone wollte Bob Nardelli in die Geschichte eingehen, auch um seinen Ruf auzupolieren, der nach seinem Abschied als Chef von Home Depot schwer gelitten hatte. Als Pleitier geht er nun.

Der Stern des Bob Nardelli beginnt eigentlich schon zu sinken, als bekannt wird, dass er den Baumarkt-Konzern Home Depot 2006 im Unfrieden verlässt und dennoch eine Abfindung von 210 Milliarden Dollar kassiert. Aus dem Topmanager, der einst gut im Rennen lag, das höchste Amt bei der Industrie-Ikone General Electric zu übernehmen, wird in der Öffentlichkeit über Nacht ein Raffzahn. Bald danach beginnt sich die Regierung in Washington Gedanken zu machen, wie man die "Goldenen Fallschirme" zahlreicher US-Vorstände zerschießen könnte.

Über die größte anzunehmende PR-Panne ist kaum Gras gewachsen, da erhält Nardelli eine Bewährungschance. Der New Yorker Finanzinvestor Cerberus, dem Turbokapitalismus nicht abgeneigt, gibt ihm eine zweite Chance: Mit eiserner Hand, die ihm einst den Spitznamen "General" eingebracht hat, soll er den schwer wankenden Autobauer Chrysler sanieren, an dem Cerberus inzwischen 80 Prozent der Anteile hält.

Wie einst der in der Öffentlichkeit bewunderte Lee Iacocca, der Chrysler in den 80er-Jahren schon einmal vor dem Bankrott rettete, könnte jetzt Nardelli es noch mal allen zeigen. Also sagt er zu und beginnt sich von einer ganz neuen Seite zu zeigen: Ein Dollar Jahresgehalt, das muss bei Chrysler reichen. Ob es weiteren Vertragsabsprachen mit dem Chrysler-Eigentümer Cerberus gibt, wird freilich nicht bekannt.

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