Insolvenz
Zur Sanierung auf die britische Insel

Autozulieferer Schefenacker macht es vor: Nach Jahrzehnten der Steuerflucht könnte sich die Insolvenzflucht als letzter Schrei erweisen. Gerade das britische Recht bietet sich für deutsche Firmen bei der Suche nach Asyl an. Während Gläubiger schwärmen, sehen andere den Standort Deutschland bedroht.

DÜSSELDORF. Lange Zeit stand der Name Schefenacker vor allem für Ingenieurkunst bei der Herstellung von Rückspiegeln für Autos. Doch derzeit macht das schwäbische Unternehmen als Begriff für die Umgehung des deutschen Insolvenzrechts die Runde: Die hoch verschuldete Schefenacker-Gruppe hatte kurzerhand ihren Sitz nach England verlegt, um in den Genuss des britischen Insolvenzrechts zu kommen.

Vor zwei Wochen gelang dadurch die Umschuldung entsprechend der Interessen der Hauptgläubiger. Die Beteiligten - Hedge-Fonds und Investmentbanken - jubeln bereits: "Wir haben bewiesen, dass es funktioniert", sagt der Investmentbanker Sebastian Freitag. "Das Beispiel könnte Schule machen."

Ob dies Wunsch oder Wirklichkeit ist, darüber streiten Sanierungsexperten. "Der verstärkte Umzug deutscher Unternehmen nach Großbritannien wird als Gefahr für den Wirtschafts- und Insolvenzstandort Deutschland wahrgenommen", beobachtet Eberhard Braun von der Rechtsanwaltsgesellschaft Schultze & Braun. Das deutsche Insolvenzrecht müsse reformiert werden, forderte er auf der 3. Handelsblatt-Jahrestagung "Restrukturierung" vergangene Woche in Frankfurt.

Insolvenzexperten wollen dies in den nächsten Wochen mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries erörtern. Es müsse darum gehen, erkennbare Vorteile des britischen und des deutschen Insolvenzrechts zu verbinden, sagt Horst Piepenburg, Insolvenzverwalter und Vorsitzender des Arbeitskreises Insolvenzrecht im Deutschen Anwaltverein.

Experten nennen es "Forum Shopping", wenn die Beteiligten international nach der optimalen Rechtsordnung für ein Insolvenzverfahren suchen. Das Phänomen ist nicht neu: In den USA ist es üblich, Insolvenz bei dem Gericht zu beantragen, das die günstigsten Bedingungen bietet. Auch in den EU-Ländern sind die Unterschiede erheblich.

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