Insolvenzantrag
Wie Firmen wieder auf die Beine kommen

Über 43 000 Unternehmen stellten im vergangenen Jahr einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht, und fast alle warteten damit bis zur letzten Sekunde. Dabei kann ein Insolvenzverfahren eine Chance für einen Neuanfang sein. Doch eine Sanierung gelingt nur, wenn sie frühzeitig geplant wird.

DÜSSELDORF. Die Pleite war abzusehen, lange bevor sie eintrat: Sinn-Leffers, Textileinzelhändler und einstmals Tochter des Karstadt-Quelle-Konzerns, zahlte zu hohe Mieten, betrieb viele unrentable Standorte und – neben erstklassigen Häusern wie in Bonn – Ramschfilialen, die wie am Kölner Neumarkt kaum noch ins Konzept passten. Im August 2008 musste das Unternehmen mit seinen 47 Filialen Insolvenz anmelden. Doch jetzt, knapp neun Monate später, ist Sinn-Leffers wieder da. Zwar blieben nur 23 Häuser übrig, und 1 300 Beschäftigte verloren ihren Job. Aber das Unternehmen ist nicht verschwunden wie die meisten anderen Insolvenzkandidaten.

Entscheidend für die erfolgreiche Sanierung war nicht nur die rechtzeitige Planung, sondern auch die Tatsache, „das hier absolut alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben“, sagt Detlef Specovius, Fachanwalt für Insolvenzrecht von der Kanzlei Schultze & Braun aus Achern, der Sinn-Leffers durch die Krise führte.

So viel Planung und Gemeinsamkeit ist überaus selten. Über 43 000 Unternehmen stellten im vergangenen Jahr einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht, und fast alle warteten damit bis zur letzten Sekunde. „Gerade Mittelständler betrachten den Insolvenzantrag oft als Unwerturteil, als Eingeständnis, dass sie gescheitert sind“, sagt Rolf-Dieter Mönning, Insolvenzverwalter aus Aachen.

Dabei ist genau das der entscheidende Fehler. Denn die Symptome werden wie bei einer schweren Erkrankung mit jedem Tag schlimmer. Wenn die Operation unvermeidlich ist, dann sollte sie so schnell wie möglich erfolgen. Hinzu kommt: Aufschieben kann auch strafrechtlich gefährlich sein, weil es den Tatbestand der Insolvenzverschleppung gibt.

Wer nicht mehr sämtliche Verbindlichkeiten aus vorhandener Liquidität begleichen kann, muss spätestens innerhalb von drei Wochen Insolvenz anmelden, so lautet das Gesetz. Das gilt allerdings nicht, wenn der Verzug weniger als drei Wochen beträgt und weniger als zehn Prozent der Verbindlichkeiten betrifft. Nach neuester Rechtslage (Finanzmarktstabilisierungsgesetz vom Oktober 2008) soll es auf eine rechnerische Überschuldung nicht mehr ankommen, wenn die Firma eine positive Fortführungsprognose hat. Bislang ist jedoch ungeklärt, wie das genau zu verstehen ist.

„Man darf zwar bis zum letzten Moment warten, aber auf keinen Fall eine Sekunde länger“, sagt der Berliner Insolvenzverwalter Rolf Rattunde. Wer eher handelt und selbst initiativ wird, kann oft verhindern, dass sein Betrieb abgewickelt und liquidiert wird.

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