Insolvenzberater profitieren mehr, wenn sie ein Unternehmen zerschlagen, statt es wieder auf Kurs zu bringen
Sie können nicht mal Bilanzen lesen

Einst träumten die Cargolifter- Chefs davon, tonnenschwere Lasten mit riesigen Zeppelinen über die Kontinente zu transportieren. Doch der Traum platzte, mit einem riesigen medialen Knall ging das Unternehmen in die Insolvenz. Nachdem in der gigantischen Halle in Brand in Brandenburg längst ein künstlicher Südseestrand aufgeschüttet ist, werden jetzt auch die Patente und Markenrechte verwertet.

War die Cargolifter-Insolvenz vermeidbar? Ihre Vorstände und Aufsichtsräte meinen: ja. Das Unternehmen sei gezielt demontiert worden. Dieser Auffassung ist auch die "Initiative Zukunft in Brand", eine Interessenvertretung der Cargolifter- Aktionäre, deren Wut sich auch gegen Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning richtet: Der habe die Halle viel zu billig verkauft, und das Unternehmen in der Öffentlichkeit schlecht geredet. Sie fordern seine Ablösung - bislang ohne Erfolg.

Dass Insolvenzverwalter Unternehmen zerschlagen, statt sie zu retten, ist der Normalfall. Fälle wie Walter Bau, wo der Verwalter unbedingt alles zusammen halten will, sind die Ausnahme. Die meisten der jährlich 40 000 Insolvenzverfahren sind für die Firmen das Ende.

Dass so wenige gerettet werden, liegt auch an der Qualität der Insolvenzverwalter. "Wer mit einem solchen Aufgabe betraut wird, muss plötzlich wie der Vorstand eines großen Unternehmens agieren und kommunizieren. Das können die wenigsten," räumt Eberhard Braun ein, Insolvenzverwalter bei der Schultze & Braun und seit 25 Jahren im Geschäft. "Die meisten fangen ja mit diesem Job an, indem sie einem anderen Insolvenzverwalter die Tasche tragen. Dann bilden sie sich vielleicht in irgendwelchen BWL- Kursen weiter, und das war?s." Nachweisen müssen sie solche Kenntnisse nicht, die Anwaltszulassung genügt. "Einige können nicht mal Bilanzen lesen", urteilt Norbert Landwehr aus Köln, dessen Firma Landwehr, Himmelsbach & Kollegen Firmen in Krisen berät.

Eigentlich wäre es Aufgabe der Insolvenzgerichte, jeweils geeignete Berater zu bestimmen. Doch das Auswahlverfahren ist völlig undurchsichtig. Richter - sie äußern sich nur höchst ungern dazu - , entscheiden einsam und allein. Machen die Banken, die meist die größten Gläubiger sind, Vorschläge, fürchten die Gerichte um ihre Unabhängigkeit.

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